Neulich bei der Teenie-Band Echt. Ein Groupie will seine Stars unbedingt im Hotel besuchen und macht sich auf den Weg - durch den Wäscheschacht. Dort bleibt das Mädchen stecken und kreischt, bis ihm eine freundliche Frau aus der Klemme hilft. Die Retterin heißt Patty Unwin. Nach 13 Jahren im Geschäft lässt sich die 51-jährige Tourmanagerin auch durch merkwürdige Annäherungsversuche nicht mehr aus der Ruhe bringen. Schließlich wird Unwin von den Bands dafür bezahlt, dass es auf Tour nirgendwo hakt, weder bei der Unterbringung noch bei der Veranstaltung oder gar im Wäscheschacht.

Unwins Mission beginnt schon beim Frühstück. Sie sorgt dafür, dass ihre Stars, die oftmals erst am frühen Morgen ins Bett kommen, auch nach der üblichen Hotel-Deadline mit Kaffee und Brötchen versorgt werden. Sie selbst dagegen muss meist mit drei Stunden Schlaf auskommen, manchmal - wie bei der letzten Tournee der Ärzte - heißt das viereinhalb Monate Schlafentzug am Stück.

Ihr Einsatz wird nun vielleicht vergoldet. Am Rande der Musikmesse Popkomm findet die Oscar-Verleihung der Live-Branche statt, der Backstage Award 2000, und Unwin ist Favoritin in der Kategorie Beste Tourmanagerin. Als Preis winkt ein vergoldetes Gaffa Tape. Das Stoffklebeband ist normalerweise schwarz, weiß oder silbern, und Bühnentechniker verbrauchen es kilometerweise, um Kabel, und was sonst noch lose ist, zu befestigen. Unwin, die selbst weder klebt noch schleppt, findet es nur fair, dass während einer Messe der Plattenindustrie auch die Menschen geehrt werden, die hinter den Kulissen schuften: Schließlich tragen wir recht viel dazu bei, dass die Leute Platten kaufen.

Als Tourmanagerin ist sie oft nicht an der Seite der Künstler, sondern ein paar Schritte voraus. Während diese noch schlafen, ist Unwin schon vor Ort und checkt, ob der Veranstalter seine vertraglichen Verpflichtungen einhält.

Gage, Technik, Garderoben, Helfer, Catering, Telefonanschlüsse, alles muss sie kontrollieren, zählen, abhaken und manchmal auch - absagen.

Unwin hat schon etliche Show-Größen beraten, von Donovan über James Brown, Bob Geldof, Meat Loaf bis hin zu Fury in the Slaughterhouse. Smudo von den Fantastischen Vier erzählt, dass ihnen Unwin auch deswegen empfohlen wurde, weil sie mit allen Wassern gewaschen ist. Smudo möchte mit niemand anderem mehr touren: Sympathisch, diplomatisch, trinkfest findet er Patty und bewundert vor allem, wie sie es mit mütterlicher Souveränität schafft, Unstimmigkeiten innerhalb der Crew zu lösen, die natürlich aufkommen, wenn 50 bis 60 Menschen unterwegs sind. Hinzu kommen noch örtliche StageHands, die sich umsonst zum Kabelschleppen bereit erklären, um Autogramme abzustauben oder einfach nur ein paar Worte mit den Promis zu wechseln.

Während jeder Fan wahrscheinlich rasend gern nach dem Konzert mit den Stars Champagner trinken würde, mag Unwin lieber Rotwein. Selbst den würde sie vermutlich ab und zu für eine Stunde Zusatzschlaf eintauschen. Denn die Stars sind für sie, so scheint es, nichts Besonderes mehr: Mittlerweile fühlen manche Bands sich geehrt, dass ich ihre Tournee mache.