Der Strandwärter rammt den Sonnenschirm in den Sand, schüttelt ein paar Körnchen von den Plastikstühlen. Ein sehr schöner Platz. Wirklich: In der ersten Reihe, direkt vor den Wellen, und nur eine Armlänge trennt uns von den neugierigen Nachbarn. Eine Großfamilie aus Kairo: Vater, Mutter, Großmutter und fünf Kinder. Vier Stühle wurden gemietet, man kann sich ja abwechseln.

Wir verbringen jeden Sommer in Alexandria. Hier ist es schön kühl, man kann sich amüsieren, sagt die Mutter. Sie könne ja nicht mehr baden. Erklärend streicht sie über ihr Kopftuch. Das sieht nicht gut aus, wenn es nass wird.

Im Wasser herrscht Gedränge. Kinder hüpfen in der Brandung. Männer stehen bis zum Bauch im Wasser, unterhalten sich. Auch Frauen baden. Die langen Kleider kleben am Körper, wenn sie aus den Wellen auftauchen. Manche tragen auch T-Shirts und Leggings. Brüllend irren Kinder auf der Suche nach Eltern herum.

In dem Gewirr aus Sonnenschirmen, Plastikstühlen und Gummitieren ist die Suche nicht leicht. Die Brandung betäubt die Ohren ebenso wie die hupenden Autos, die direkt hinter uns im Stau stehen. Schmal ist der Strand entlang der sechspurigen Corniche von Alexandria, an manchen Stellen sogar sehr schmal.

Ausländer sind an diesem Strand eine Sensation, so außergewöhnlich, dass uns alle anschauen, dann aber ganz normal behandeln. Wir fühlen uns wohl.

Direkt hinter der Corniche ragen weiße Hochhäuser in den Himmel. Da ständig mehr Menschen den Sommer in Alexandria verbringen und natürlich alle ein Appartement mit Meeresblick mieten wollen, werden die Häuser immer höher.

Alexandria ist Ägyptens zweitgrößte Stadt: Sechs Millionen Einwohner im Winter - im Sommer sind es acht Millionen. Sechs Pfund kostet das Ticket für den Minibus von Kairo. Wer sie zusammenkratzen kann, macht sich auf den Weg.