Selten gähnte ein Sommerloch so klaftertief wie dieses Jahr - gute Gelegenheit, eine US-Serie zu würdigen, die es schon länger gibt, die allerdings erst kürzlich mit neuer Staffel und sensationeller Enthüllung startete: Ellen. Ellen ist lesbisch. Sie wusste es anfangs nicht, dann verschwieg sie es, und jetzt gibt sie es zu. Macht es einen Unterschied? O ja. "Früher hatte ich keinen Sex mit Männern, jetzt habe ich keinen Sex mit Frauen." So ist Ellen. Jede Situation wird auf die tiefste Stufe der vorauseilenden Enttäuschungsfestigkeit heruntergebrochen - bis sie komisch ist. "Frauen", sagt ein guter männlicher Freund, "können ja so brutal sein."

Ellen, versonnen: "Wie kommt ihr bloß damit klar?"

Die Schauspielerin Ellen De Generes, eine schmale, unauffällige Erscheinung, schaut aus wie beim Casting versehentlich durchgerutscht und trägt deshalb diese Comedy mit Würde. Würde ist keine notwendige, aber manchmal eine hinreichende Bedingung für den komischen Effekt. Das ernste Gesicht der De Generes nimmt keinen Lacher vorweg und bewirkt damit, dass einen das Gegickel vom Band, an das man so sehr gewöhnt ist, endlich wirklich stört. Man möchte sich selber lachen hören und dabei das enttäuschungsfeste Mienenspiel von De Generes bewundern.

Ellen gehört in die Reihe der intellektuellen Sitcoms wie Seinfield und Ally MyBeal mit dem stadtneurotischen Hintergrund

der wunderbar schräge, fiese, bumerangförmige Witz, aus dem man die jüdische Tradition herausspürt, macht auch hier die Seele der Sache aus. Wenn Ellen eine Palme verdient, dann die der Direktheit, Trockenheit und Beiläufigkeit. Die Eleganz der Oneliners entstammt ihrer Schlichtheit. Und nach einem Volltreffer wie "Kein Sex mit ..."

dürfen sich die Autoren auch mal was Niedliches leisten. Ellen, die sich beim Fitness in der Kletterwand verstiegen hat: "Geh ins Büro, hol den Geschäftsführer, und bitte ihn, die Schwerkraft abzustellen." Das stöhnt De Generes so daher mit ihrem burschikosen Charme, und man möchte sie sofort persönlich mit der Räuberleiter retten.

Da es bei Ellen um das Spiel mit geschlechtsspezifischen Attributen geht - "Ist das Leben nicht schwul?" -, geht der Stoff nie aus. Was für ein Reservoir! Bedenkt man, dass im deutschen Fernsehen die Lesben nach einem mühevollen Outing in Lindenstraße und Hinter Gittern noch weit davon entfernt sind, die Gipfel der komischen Zonen zu erklimmen, erkennt man schlagartig die Rückständigkeit hiesiger Schreiber. Die Political Correctness ist es wahrscheinlich, die sie abhält, Lesben in Serie gehen zu lassen. Dabei schreit nichts so laut nach Satire wie die PC.