Schönheit, das wissen wir seit American Beauty, ist manchmal nur eine Plastiktüte, die der Wind über den Asphalt treibt. In der Welt von Hoffi und Lehmi erscheint die Schönheit in Form einer zertretenen Dose Hansa-Pils auf dem Rasen. Bier ist der Treibstoff dieses Films - auch wenn er die beiden Protagonisten das eine oder andere Mal zum Erliegen bringt. Doppelpack, das Kinodebüt des jungen Regisseurs Matthias Lehmann, pflegt eine spröde Alltagsästhetik, unter deren Blick selbst der ansonsten wenig anheimelnde Schauplatz Dortmund zur poetischen Landschaft wird. Wenn die Kamera zur Hardcore-Version des Petula-Clark-Klassikers Downtown durch die trostlosen Gewerbeviertel fährt, entsteht eine schimmernde Melancholie, wie man sie von den Bildern Edward Hoppers kennt.

Den diskreten Charme der Apathie versprühen auch die beiden Hauptfiguren: Hoffi und Lehmi, zwei Ruhrpott-Vitelloni mit Hang zur Punkmusik, die das kleine Glück suchen, aber immer nur ein großes Pils bekommen. In ihrer forcierten Untüchtigkeit verkörpern sie gewissermaßen die Generation ohne Golf und nehmen gerne mal den Linienbus. Sie tragen Jeanskutte statt Barbour-Jacke, liegen lieber im Stadtpark herum, anstatt einen Job in der Werbebranche zu suchen, und ziehen die schaurige Wohnküche bei Mama dem schicken Fabrik-Loft vor. Eckhard Preuß als einsilbiger Sonderling Lehmi ist von einer geradezu mitreißenden Mattigkeit und schaut manchmal so traurig-verloren drein, dass man ihm einen Teller warme Suppe durch die Leinwand reichen möchte. Markus Knüfken gibt den leutseligen Gegenpart Hoffi, der sein sympathisches Antiheldentum allerdings mit einem notorischen Zahnpastalächeln etwas überstrapaziert.

Einen Tag lang begleiten wir die beiden auf ihrem orientierungslosen Streifzug durch die Stadt, der in der Stammkneipe beginnt und auf einem Punkkonzert endet. Dazwischen liegen viele Liter Bier und einige denkbar unspektakuläre Situationen: ein Hosenkauf etwa (bei dem Manfred Zapatka als pampiger Kunde glänzt), ein Foto-Shooting im Passbildautomaten und ein deprimierendes Verwandtschaftstreffen. Das Kunststück von Doppelpack besteht darin, aus einem solchen Nichts an Aktion ein Maximum an Atmosphäre zu erzeugen. Zu verdanken ist dies vor allem der beiläufig-linkischen Komik der Hauptfiguren und dem trockenen Witz des Drehbuchs von Lehmann und Preuß, das den Willen zur Pointe immer wieder charmant unterläuft.

Heimlicher Hauptdarsteller ist ohnehin das Ruhrgebiet. Durch die Kamera von Jo Heim erscheint es in einer morbiden Anmut, die man sonst nur vom Schimanski-Tatort kannte. Leider fehlt im schnellen, lauten Soundtrack ein Lied der Hamburger Band Tocotronic, das wie für den Film geschrieben scheint: Der schönste Tag in meinem Leben (war ein Donnerstag) - eine großartige Hymne auf die Tristesse aller Einkaufspassagen. Auch Doppelpack erzählt von der Verklärung des Gewöhnlichen, und am Ende ist doch alles wie im Märchen: Hoffi und Lehmi begegnen jeweils der großen Liebe ihres Lebens. Schönheit, dein Name ist Dortmund.