Es ist vollbracht. Rolf Hochhuth hat den Kampf ums Berliner Ensemble gewonnen und sein erstes Stück an dem berühmten Ort aufführen können, den er als Spielleiter freilich nur Theater am Schiffbauerdamm nennen darf. Vor kurzem schien es noch, als habe er sich mit seiner Ilse-Holzapfel-Stiftung vergeblich in den Besitz der Immobilie gebracht und könne aus der Rolle des Hausherrn keinen Nutzen ziehen. Dieser schreckliche Moment ist jetzt vorüber.

Die Hebamme ist nur das erste einer langen Reihe von Hochhuth-Stücken, die dort Sommer für Sommer zu sehen sein sollen, und wir hoffen sehr, dass es den alten Kämpen mit Genugtuung erfüllt, sein Erbe noch zu Lebzeiten pflegen zu können.

Das Publikum der Premiere jedenfalls war eher von Rührung erfüllt zu sehen, wie hier ein großes öffentliches Drama mit einer kleinen privaten Klamotte endete. Damit ist nichts gegen das Stück gesagt

denn Die Hebamme (aus dem Jahr 1972) ist zwar eine Klamotte, aber eine große

sie hat zumindest das Zeug zu einer jener großen Klamotten wie Feydeaus Einer muss der Dumme sein oder auch dem unvergesslichen Raub der Sabinerinnen, der jüngst in Bochum glanzvoll wiedergeboren wurde

allerdings muss dazu auch der Regisseur eine begnadete Hebamme sein. Diese Hebamme in eigener Sache ist nun Hochhuth leider nicht

seine Hebamme musste sich mühselig aus eigener Kraft ins Rampenlicht arbeiten, und das gelang selbst einer großen Künstlerin wie Regine Lutz nur ramponiert.