Wehrmachtsoldaten, die auf Leichen hinabblicken: Zeigt das Foto Mörder oder Zeugen eines Mordes? Und könnte es sein, dass hier gar keine Wehrmachtsoldaten zu sehen sind, sondern Angehörige des sowjetischen Geheimdienstes NKWD? Zweifelsfälle wie diese brachten die Fotoausstellung Vernichtungskrieg. Verbrechen der Wehrmacht 1941 bis 1944 des Hamburger Institutes für Sozialforschung in die Kritik. Mindestens neun der 1400 gezeigten Aufnahmen, so befand der polnische Historiker Bogdan Musial, hätten falsche Bildlegenden. Sein ungarischer Kollege Krisztián Ungváry behauptete gar, der größte Teil der Fotos dokumentiere Verbrechen, mit denen die Wehrmacht nichts zu tun gehabt habe. Das allerdings war ein Vorwurf, der sich als vollkommen überzogen erwies. Gleichwohl, die Schau war angreifbar geworden, und geradezu dankbar zogen ihre Gegner sie grundsätzlich in Zweifel. Jan Philipp Reemtsma, der Chef des Institutes für Sozialforschung, ließ die Ausstellung, die bis dahin rund 900 000 Menschen gesehen hatten, im vergangenen Herbst schließen und ihr Material überprüfen. Sein Ausstellungsmacher Hannes Heer zeigte sich brüskiert und empfand Reemtsmas Reaktion als überzogen. Das Verhältnis zwischen den beiden Männern blieb gestört, über eine neue Konzeption konnten sie sich nicht einigen. Jetzt ist die Zusammenarbeit offiziell gescheitert. Zum Jahresende, so lässt Jan Philipp Reemtsma mitteilen, wird Hannes Heer das Institut verlassen. Eine internationale Sachverständigenkommission unter Vorsitz des Stuttgarter Historikers Gerhard Hirschfeld überarbeitet derzeit die Ausstellung. Im November soll die Öffentlichkeit erfahren, wie es mit der Wehrmachtausstellung weitergehen wird.