Es ist nicht leicht, erwachsen zu sein und in Ernst und Würde seine Tage zu verbringen. Nur allzu bereitwillig geben wir es zu: Eigentlich wird der Mensch nie so ganz erwachsen, und in seinen schönsten Augenblicken - etwa im Zustand frischer Verliebtheit - fühlen sich auch Würdenträger wieder wie in der Pubertät. Gerade Männern, die im Patriarchat zu höchsten Ämtern aufsteigen, wird nachgesagt, dass in ihnen zeitlebens ein Kindskopf steckt.

Das Abenteuer lockt, der Alltag ödet. Auf ins Reich der Fantasie!

Nach der Fantasie ist eine eigene Literaturgattung benannt, in der niemand erwachsen werden muss: Fantasy-Literatur. In ihr durchdringen sich Zauberwelt und Erdenschwere. Kleine Jungen auf Dachböden erlösen ganze Zauberreiche (wie in der Unendlichen Geschichte), und kindergleiche Hobbits retten die Welt vor dem Bösen (wie im Herrn der Ringe). Die jüngste Erfolgsgeschichte dieser Literaturgattung liefern die Bücher der britischen Lehrerin Joanne K.

Rowling. Sie stehen ganz oben in den Bestsellerlisten und handeln von Hexen und Zauberern, vom Stein der Weisen, von feurigen Kelchen und Besenritten.

Mittendrin befindet sich ein intelligenter Teenager, Harry Potter. Er kann hexen, was das Zeug hält, und besteht die größten Herausforderungen. Und während er Drachen und Teufel besiegt, muss er sich, wie seine gewöhnlichen Altersgenossen, mit fantasielosen Erwachsenen und pedantischen Lehrern herumschlagen.

Bestimmt würde es den meisten Menschen gefallen, wenn sie sich ab und zu mal wegzaubern könnten aus ihrer oft so langweiligen Alltagswelt - oder wenigstens etwas Aufregendes herbeihexen. Statt nach Zauberei aber greifen wir nach Drogen, um der Realität zu entfliehen.

Ein Schluck Tee, und Kinder müssen ins Krankenhaus