Onkel Dittmeyer, der Besitzer einer Silbermine und eine Hausfrau haben dasselbe Problem: Sie alle gehen mit Produkten um, deren Preise schwanken. Da hingegen aber das Bedürfnis, sich gegen solche Preisänderungen zu versichern, kontinuierlich gestiegen ist, hat das Weltfinanzsystem Abhilfe geschaffen: die Warenterminbörse.

Wenn der gute Onkel Angst hat, sein Saftladen könnte Schaden nehmen, weil eine Orangenmissernte droht, kauft er einfach preiswert auf Termin konzentrierten Orangensaft. Fürchtet der wackere Bergmann, die Nachfrage nach den bei der Techno-Generation beliebten silbernen Body-Piercings könne wegbrechen, verjubelt er die Erzproduktion der nächsten Jahre schnell im Voraus. Und auch unsere Küchenfee kann an der Börse Hannover die Grillfleischbestände in ihrer Kühltruhe mithilfe eines Kontraktes auf Schweinebäuche konstant halten.

Das einzige Problem dabei: Kaum einer weiß das. Gerade das letzte Beispiel zeigt, dass die erwähnten Handelsplätze zu wenig Beachtung in der Öffentlichkeit gefunden haben. Viel zu sehr haben sich die Medien auf die Berichterstattung vom Frankfurter Börsenparkett konzentriert. Dabei besitzen nur knapp zwölf Prozent der Deutschen Aktien. Dagegen haben schon mehr als 80 Prozent der Bevölkerung schon einmal Schweinefleisch fürs Barbecue gekauft.

Deshalb: Zerrt diese Märkte ins Rampenlicht! Schließlich hat das Auf und Ab des Preises für ein Bushel Weizen mehr Einfluss auf das Leben der Frühstücksmuffel als der Kurs der Bäckeraktie Kamps.

Aber auch die Mechanismen der Aktienmärkte lassen sich leichter verstehen, wenn man gelegentlich einen Blick auf die Rohstoff-Front wirft. Nehmen wir den Septemberkontrakt für Kakaobohnen als Beispiel. Der erreichte vergangene Woche einen neuen Tiefststand. Dies hat sein Gutes: Investoren am Neuen Markt, deren Blutdruck wegen der Kurskapriolen der letzten Monate stark gestiegen ist, können dadurch kostengünstig über ein leckeres, kreislaufschonendes Kaffeesubstitut verfügen. Auch aus den Investor-Relations-Abteilungen einiger Neue-Markt-Klitschen hören wir Seufzer der Erleichterung. Wer nämlich neben einer halbwegs pfiffigen Geschäftsidee lediglich über eine hohe Geldverbrennungsrate und ein Management mit einnehmendem Wesen verfügt, verbraucht schon gewaltige Mengen des Grundstoffs für unterhaltsame Presseerklärungen und überflüssige Ad-hoc-Meldungen. Auch weiterhin sollen die mittlerweile kritischeren Anleger erfolgreich durch den Kakao gezogen werden.

Uns Narren stört das nicht die Bohne. Als Liebhaber deutscher Börsenlyrik halten wir es da mit Erich Kästner. Der gab uns Kleinsparern schon lange vor dem Börsen-Boom den guten Tipp: "Was auch geschieht: Nie dürft ihr so tief sinken, von dem Kakao, durch den man euch zieht, auch noch zu trinken!"

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