die zeit: Die Waldorfschulen sind ins Gerede geraten. In einem Beitrag des ARD-Magazins Report wurden sie rechtslastiger, judenfeindlicher Umtriebe bezichtigt. Ein Buch eines Schülers von Rudolf Steiner, dem Begründer der Waldorfschulen, soll wegen rassistischer Passagen auf den Index jugendgefährdender Schriften. Herr Hiller, kann man sein Kind noch unbesorgt auf eine Waldorfschule schicken?

Walter Hiller: Natürlich kann man das. Wir können die Vorwürfe zurückweisen.

Sie stammen in der Hauptsache von enttäuschten Eltern ehemaliger Waldorfschüler, die sich auf diese Weise rächen wollen. Die meisten von ihnen kennen wir schon seit Jahren.

zeit: Und wie gehen Sie jetzt damit um?

Hiller: Gegen die unhaltbare Anschuldigung, jüdische Eltern nähmen ihre Kinder vermehrt von den Schulen, gehen wir gerichtlich vor. Und das Buch des Steiner-Schülers Uehli, ein Buch nur für Lehrer, darf ab sofort nicht mehr verwendet werden. Zitate wie "Der Neger ist kindlich ..." gehören nicht in die Schulhefte. Das haben wir unmissverständlich gesagt.

Klaus Prange: Solche Schulhefte gibt es allerdings ...

Hiller: Ja, die gibt es. Und wenn wir solche Vorwürfe um die Ohren gehauen bekommen, dann haben wir das nicht anders verdient. Aber wir sind nicht zimperlich, intern dagegen vorzugehen. In den Waldorfschulen in Nordrhein-Westfalen haben sich die Geschichtslehrer zusammengetan und sich mit zweifelhaften Unterrichtsinhalten auseinander gesetzt.