In dieser nützlichen Ratgeberkolumne geht es heute um die Frage, wie sich erfolgreiche Menschen anziehen: nämlich wie Wahnsinnige. Im Ernst, Christoph Daum steht mit seinem leuchtend blauen (pardon, avanzablauen) Zweiteiler gar nicht so allein am Rasen. Wir erinnern uns auch noch gut an den Mannesmann-Bezwinger Chris Gent und seine Clownhemden, den frühen Guido Westerwelle mit seinen Leuchtstoffsakkos, den Dalai Lama in Wanderschlappen und mit Frank-Elstner-Brille.

Gleich merkt man, was solche Vorbilder uns für den Erfolg eines Managers verraten können: gar nichts. Der deutsche Konzernbeamte mit Aufstiegsambitionen orientiert sich beim Power-Dressing nach wie vor an Heinz Commers Klassiker Knigge International, wo es heißt: "Für Manager und Top-Geschäftsleute ist eine uniformartige Kleidung ratsam. Es handelt sich um einen dunklen Anzug." Diese Wahl hat damit zu tun, dass gedeckte Kleidung unbewusste psychologische Signale an die Geschäftspartner aussendet ("Ich habe meine Familie bei einem tragischen Unfall verloren"). Trotzdem braucht niemand um seine Individualität zu fürchten. "Die Wahl der Socken", sagt James Wishart vom Londoner Herrenausstatter Gieves&Hawkes, "soll Spaß machen." Und beim Dress-down-Friday nach amerikanischem Vorbild (Nieten statt Nadelstreifen) darf man sogar in Khakihosen und Polohemden zur Arbeit kommen.

Was wiederum subtile Signale aussendet ("Ich wäre gerne Sascha Hehn").

Leider passen die neuesten Erkenntnisse aus den USA gar nicht zu diesen Einsichten. Womöglich prägt nämlich nicht die Kleidung den Erfolg, sondern der Erfolg die Kleidung. In Amerika jedenfalls ist der dunkle Anzug wieder auf dem Vormarsch - was nach einigen Theorien mit der ernsteren Konjunktur zu tun hat. Eine ganz andere Theorie kommt von der Jahrestagung der Amerikanischen Psychologen: dass Extrovertiertheit im Beruf gar nichts mit dem Job zu tun habe, sondern von Kindheit an erworben sei. "Die Leute suchen sich bestimmte Berufe aus, weil sie vorher so langweilig sind", postuliert die Psychologin Sally Edman.

So ist das, Herr Daum: Die Erfolgreichen erkennt man nicht am leuchtend blauen Anzug, sondern an ihrer Vergangenheit. William Hague, der Oppositionsführer in London, hat das längst begriffen. Er erzählte kürzlich einem Männermagazin, dass er vor vielen Jahren 14 Pints Bier pro Tag gekippt hätte und deshalb jetzt ein großer Matze sei. Leider kam dann heraus, dass die Kneipiers in Hagues Heimatstadt den Jungen immer "Limo-Bill" genannt hatten. Besseres Vorbild also: Joschka Fischer. Hat der nicht früher sogar Turnschuhe getragen?