Ein kluger Essay! Peter Schneider sieht die Religionslehrer als "die letzten Vermittler einiger ziviler Grundregeln", will jedoch den Religionsunterricht durch eine "Zivilkunde" ersetzt wissen, in welcher der Beitrag verschiedener Kulturen und Religionen "kritisch unterrichtet" würde.

Ich wünschte auch, das ginge. Aber hat nicht doch Tony Blair (ZEIT Nr. 28/00) Recht, dass unsere Hauptanliegen - Gewaltlosigkeit und Frieden - "ohne die Gewissheit, dass es Höheres gibt als das eigene Selbst - also ohne Religion - nicht möglich" ist?

Georg Vogl, Metten

Warum versagen diejenigen, die in erster Linie zu erziehen hätten? Sie wissen es nicht besser. Sie wuchsen selbst in einem Umfeld auf, das zwar offiziell zur Toleranz aufruft, das sie aber im täglichen Leben durch alle Autoritäten mit Öffentlichkeitswirkung eines anderen belehrt. Drei Beispiele:

Ich komme mit meinem Leistungskurs Geschichte von einer Studienfahrt aus Wien zurück. Nach der Grenze werden wir im Zug von der Grenzpolizei kontrolliert.

Wir? Nein, nicht alle! Bei 14 von 15 Personen genügt der Gesichtsausdruck, die 15. Person aber ist ein Türke, er muss den Ausweis zeigen, bevor ich überhaupt "klärend" (!) eingreifen kann.

Ich befinde mich mit einer deutsch-amerikanischen Schülergruppe auf einer kleinen Studienreise in München. Auf dem Heimweg werden wir in einer U-Bahn-Station von der Polizei kontrolliert. Wir? Nein, nicht alle. Einer der amerikanischen Austauschschüler ist mexikanischer Herkunft. Er muss den Pass zeigen und seine Reisetasche öffnen.