Hartmut Lehmann (Hrsg.): Historikerkontroversen Wallstein Verlag, Göttingen 2000 189 S., 28,- DM Kontroversen sind das Salz in der Suppe jeder Wissenschaft, vor allem aber in der Zunft der Historiker, die geradezu vom Streit lebt, auch wenn ihre führenden Repräsentanten ihn manchmal scheuen.

Wie fruchtbar solche Auseinandersetzungen in der Vergangenheit waren, wie sehr sie den Erkenntnisprozess vorangetrieben und zu neuen Fragen und Forschungen angeregt haben, das illustriert dieser Band, dessen Beiträge vom Lamprecht-Streit 1891 (Roger Chickering) über die umstrittene Deutung Stresemanns (Anneliese Thimme), die Fischer-Kontroverse der sechziger Jahre (Helmut Böhme) bis hin zum Historikerstreit 1986 und zur jüngsten Aufregung um die Provokation Daniel Jonah Goldhagens (Doris Bergen) führen. Zwei streiterprobte amerikanische Historiker, Fritz Stern und Carl E. Schorske, liefern dazu bilanzierende Kommentare.

Fritz Bauer Institut (Hrsg.): "Arisierung" im Nationalsozialismus.

Volksgemeinschaft, Raub und Gedächtnis Campus Verlag, Frankfurt am Main 2000 312 S., 48,- DM Die "Arisierung", also der Raub jüdischen Vermögens, war lange Zeit ein Tabuthema der Geschichtswissenschaft. Kein Wunder, denn dieser größte Besitzwechsel in der jüngeren deutschen Geschichte wäre ohne die Komplizenschaft und Mitwirkung breiter Bevölkerungsschichten nicht möglich gewesen.

In dieser Publikation des Fritz Bauer Instituts werden die verschiedensten Aspekte der "Arisierungs"-Politik beleuchtet. Frank Bajohr zeigt in seinem erhellenden Beitrag, wie sich bei den skrupellosen Profiteuren des Holocaust materielles Interesse und antisemitische Ideologie untrennbar verbanden.

Diether Posser: Anwalt im Kalten Krieg. Deutsche Geschichte in politischen Prozessen 1951-1968 Verlag J.H.W. Dietz Nachf., Bonn 2000 382 S., 29,80 DM Im November 1951 trat der frisch zum Dr. jur. promovierte Assessor Diether Posser in die Essener Anwaltskanzlei von Gustav Heinemann ein. Rasch machte er sich als Verteidiger in politischen Strafprozessen einen Namen. In diesem Buch schildert der spätere nordrhein-westfälische Spitzenpolitiker seine deprimierenden Erfahrungen mit der westdeutschen Nachkriegsjustiz.

Couragierte Leute von der Art Possers habe es in den frühen Jahren der Bundesrepublik nur wenige gegeben, bemerkte Heinrich Senfft in seiner Besprechung der Erstausgabe 1992. (ZEIT Nr. 10/92). Recht hat er, und gerade deshalb nimmt man das Werk wieder gern zur Hand.