4 : 3 - die legendäre deutsche Niederlage gegen Italien beim WM-Halbfinale 1970 nimmt die aktuelle Ausstellung in der Bundeskunsthalle Bonn (bis zum 12.

November) als "Anstoß", um deutsches und italienisches Design gegeneinander "auszuspielen". Allen ausgewählten Designern und Designproduzenten wurde jeweils ein kreisrundes Podest zugewiesen, um sich zu präsentieren. Leider zeigen sich die wenigsten von ihren eigenen Produkten inspiriert. Eine Ausnahme: das Alessi-Karussell. Die bekannten Haushaltswaren sind auf Spielzeugformat eingeschmolzen, drehen sich bei fröhlicher Jahrmarktsmusik um sich selbst und bewegen sich doch darüber hinaus

intelligent wird hier der Geist der Produkte eingefangen. Frog, Peter Schmidt und Wiege: Auch unter den deutschen Designern gibt es einige, wenn auch wenige, die versuchen, dem, was sie an- und umtreibt, eine originäre Form zu geben - jenseits der Ästhetik von Messestand, Werbevorführung und Leistungsshow. Auf einer zusätzlich eingezogenen Etage, wo 50 Jahre Designgeschichte wieder belebt werden sollen, herrscht ebenfalls die Atmosphäre eines großen Designkaufhauses, in dem sich wunderbar sparen lässt, weil man eh nichts kaufen kann. Als 1. schön bunt und heterogen, 2. erfrischend patinafrei und entauratisiert und 3. optimistisch und überschwänglich - so könnte man die Ausstellung positiv beschreiben. Dass sie andererseits 1. formal überladen ist, 2. Klischees nationaler Mentalitäten reproduziert, 3. die historische Dimension ebenso wenig vermittelt wie die biografische und 4. den Designmachern affirmativ zudient - alles das kann man dagegen aufbringen. So steht es am Ende 3 : 4 gegen "4 : 3". Die Ausstellung schlägt sich selbst - und dabei alle Besucherrekorde.