Reisen in Kuba funktioniert genauso gut wie Skifahren in Holland. Während man das eine Problem auf Land und Wetter schieben kann, trägt am anderen die spätsozialistische Planwirtschaft Schuld. Deren Auswüchsen hat sich der kubanische Regisseur Juan Carlos Tabio bereits in Guantanamera ironisch und subversiv gewidmet. Nun also Kubanisch Reisen. Das heißt in diesem Fall: nicht von der Stelle kommen. In Lista de Espera (Warteliste), wie der Film im Original heißt, erleben mehrere Dutzend Einheimische ihre ganz persönliche Kuba-Krise. Einige Tage müssen sie in einer schäbigen Bahnhofshalle mitten in der Provinz auf die Reparatur des Busses warten, der sie nach Havanna bringen soll. Mit viel melancholischem Witz blickt Tabio auf die Schicksalsgemeinschaft, die sich nach dem ersten großen Lamento schließlich in fröhlicher Indifferenz gegenüber den Zumutungen des Systems teils freundschaftlich, teils amourös zusammenfindet. Bei allem Naturalismus verzichtet auch dieser lateinamerikanische Film nicht auf die Mächte des Magischen. Auch wenn sich das Idyll kubanischer alegra am Ende als schöner Traum entpuppt, rettet sich doch ein schimmernder Abglanz davon in die schale Realität.