Als Kind wollte ich entweder der 6-Millionen-Dollar-Mann oder James Bond sein. Ich hörte aber schnell auf, von Bizepsen zu träumen, wie man wohl auch sehen kann. Später träumte ich davon, Woody Guthrie oder eine Figur aus einem Jack- Kerouac-Roman zu sein: immer auf Reisen, ein spontanes Leben führen und der Menschheit in unzähligen Städten aufgeschlossen entgegentreten.

Als ich begann, meine Träume Wirklichkeit werden zu lassen, und als Jugendlicher durch die Welt reiste, habe ich dann tatsächlich einiges erlebt, aber in meinen Vorstellungen war alles viel grandioser gewesen. Der Jack-Kerouac-Spirit ist tot. Superhighways und Shopping-Center - das ist eine andere Welt, eine anderes Amerika. Manchmal, wenn man richtig danach sucht, findet man noch Spuren vom alten Amerika, aber die Zeiten sind leider vorbei, in denen man einfach auf einen Zug springen konnte, von dem aus das Abenteuer dann seinen Lauf nimmt. Um die Züge sind Hochsicherheitszäune gespannt worden, die wiederum von Hunden bewacht werden. Klar, dass niemand auf die Idee kommt, mit einem Zug durch die Staaten zu fahren. Deshalb sind Züge im Moment wohl das uncoolste Transportmittel, das es in Amerika gibt. Und mit ihnen ist auch der romantische Lifestyle des Landstreichers verschwunden.

Trotzdem scheint das Reisen, nicht nur in meinen, sondern auch in den Träumen anderer Leute, eine große Rolle zu spielen. Aber während ich früher Freiheit und Abenteuer mit dem Reisen verband, bedeutet es für mich heute in der Regel Konfusion. Es gibt so viele Leute, die neidisch auf meinen Lifestyle sind, auch unter meinen Freunden. Die denken, mein Leben ist der coole Jet-Set.

Manchmal nehme ich Freunde mit auf die Tour, damit sie mal sehen können, wie es tatsächlich ist, unterwegs zu sein. Die meisten flippen nach vier, fünf Tagen aus und wollen nur nach Hause. Meine Band und ich, also insgesamt ein gutes Dutzend Leute, hocken da eng aufeinander und schlafen in diesen Schlafkojen. Von Privatsphäre, geschweige denn, dass man wirklich etwas von den fremden Städten mitbekommt, kann nicht die Rede sein. Wenn man in einem Bus schläft, der mit 100 km/h durch die Nacht fährt, träumt man auch anders.

Ich erinnere mich immer nur schattenhaft an meine Träume. Sobald ich aufwache, sind sie weg und machen keinen Sinn. Sie vergrößern nur noch die Konfusion meines Lebens. Man sagt ja, dass Träume dazu da sein sollen, das Geschehene zu vearbeiten. Ich sage, sie sind dazu da, um die Konfusion noch größer zu machen. Meine private Konfusion, die daraus besteht, dass ich immer unterwegs bin, immer in anderen Betten schlafe, seltsames Essen zu mir nehme und jeden Tag mit so vielen fremden Menschen reden muss. Ich tagträume lieber. Gerade auf Tournee: Wenn ich zum Beispiel an einem mondänen Ort wie einer Flughafen-Lounge feststecke, träume ich von meinem Bett oder anderen perfekten Orten auf der Welt wie zum Beispiel der Küste südlich von Perth in Australien. Dort gibt es total zerklüftete Felsen, die in natürliche Meeresschwimmbecken münden. Oder ich träume von den Hügeln der Toskana. Oder den Bergen außerhalb von New York. Einzigartige, perfekte Landschaften, deren Vorstellung allein mich den ganzen Stress um mich herum vergessen lassen.

Oft sind aber die einfachsten Sachen die besten. Es gibt zum Beispiel diesen Burrito-Stand in der Nähe meines Zuhauses außerhalb von L. A. Er ist einfach und billig. Draußen stehen Plastikstühle, und die Speisekarte ist handgeschrieben. Komischerweise ist er für mich der Inbegriff von zu Hause.

Dieses Gefühl, das man hat, wenn man den Laden betritt, habe ich noch nirgendwo anders auf der Welt erlebt. Ich würde es wahrscheinlich auch nirgendwo finden. Eine einfache Mahlzeit, in einfacher Umgebung: Burritos mit Bohnen und scharfer Salsa-Soße. Ich kann gar nicht sagen, wie sehr ich davon träume.