Constantin erzählt das gerne, denn er ist stolz auf die Dinge, die er besitzt. Das Fernglas trägt er manchmal auch an einer Kette um den Hals. Er sagt: »Das ist doch eine gute Idee, oder?« Gerade hat er sich in Amerika den Cube von Apple bestellt, einen Computer, der aussieht wie eine Skulptur. Und wenn er vor die Tür geht, trägt er in seinen Taschen ein ganzes Sortiment an High-Tech-Geräten: den Organizer Palm IIIc mit Farbdisplay, ein Mini-Wap-Handy von Motorola, einen MD-Player, eine DVD-Kamera, einen Network-Walkman - alles von Sony - und eine sprechende Digitaluhr von Casio, mit der er die Wetter- und Wellensituation in den 200 besten Surfrevieren der Welt abfragen kann. Er war zwar erst einmal surfen, und das ist schon lange her, aber darauf kommt es ja nicht an. Zur Arbeit fährt er auf einem Fahrrad, das angeblich Keramikbremsen hat, eine Weltneuheit aus Frankreich.

Constantin ist ein »Early Adopter«. Das Ziel dieser Leute ist es, immer die neuesten Versionen aller Produkte zu besitzen und sie auch überall rumzuzeigen. Da reicht es nicht, irgendein Paar teure Sneakers zu besitzen, nein, es muss das limitierte Sondermodell von Reebok sein, dessen Luftkissen man nach dem Anziehen mit einer Gaspatrone füllt. Die Early Adopter nehmen für ihre Passion weite Reisen und ständig überzogene Konten in Kauf, aber sie haben dafür das gute Gefühl, besser ausgestattet zu sein als alle anderen.

Heute ist ein Anzug von H&M zumindest bis zur ersten Reinigung ja kaum vom Gucci-Original zu unterscheiden. Da zeigt sich wahrer Stil nur noch im Detail. Und weil klassische Accessoires wie Herrenhandtaschen und Krawattennadeln, Schmuck und Spazierstöcke im Moment unmöglich sind, tritt an ihre Stelle die Technologie. Einen Palm Pilot kann man nicht fälschen, und wer ihn besitzt, zeigt den anderen, dass er irgendwie wichtig ist, einen interessanten Job hat, ein ausgefülltes Leben. Man versucht einfach, einen informierten Eindruck zu machen. Deswegen sind die meisten Early Adopter in der Musik-, Film- und Medienbranche zu finden.

Schon immer gehörten technische Gegenstände zu den beliebtesten Accessoires der Männer. Wer früher den neuesten Mercedes zuerst hatte, war der König der Siedlung. Und in nicht ganz so wohlhabenden Gegenden haben die Männer einander mit den besten Rasenmähern eifersüchtig gemacht. Als Insignien des Erfolgs genügen die Statussymbole der Old Economy nicht mehr. Sicher, es gibt auch unter den Early Adoptern von heute ein großes Interesse für neue Automodelle. Doch ein teures Auto repräsentiert nichts als Reichtum, eine Eigenschaft, die heute niemanden mehr so richtig beeindruckt. Wichtiger ist, zu zeigen, dass man einen spannenden Job und extrem innovative Ideen hat und zu jedem Zeitpunkt an jedem Ort der Welt jeden Auftrag erledigen kann. Mit einem Auto kann man das nicht; schon eher mit einem superflachen Laptop von Fuji.

Auch die Konzerne sind dahinter gekommen, dass es ihrem Image sehr hilft, wenn ein paar Trendsetter ihre Produkte in den Clubs und Bars der Großstädte vorführen, bevor es sie in den Läden zu kaufen gibt. Sie schicken Early-Adopter-Darsteller durch die Gegend. Firmen wie Adidas, Levi's, Mandarina Duck oder auch Nokia stellen ein paar ausgewählten Leuten ihre neueste Ware zur Verfügung mit dem Auftrag, sich von Passanten ansprechen zu lassen: Entschuldigung, wo hast du denn die Tasche her? Und berühmte Early Adopter wie Robbie Williams oder Leonardo DiCaprio sollen in Interviews immer wieder Fragen zu ihren neuesten Einkäufen beantworten.

Constantin wird auch oft gefragt, woher seine Accessoires stammen, und er antwortet dann immer: Tokyo. Denn wer nicht selbst clever genug ist, um sich sein Zeug zu besorgen, soll die Tipps nicht geschenkt bekommen. Schließlich ist Constantin kein Shopping-Ratgeber. Er hat das Glück, einen richtig guten Job in der Internet-Branche zu haben, der ihn ständig in die Metropolen der Welt bringt. Für einen Early Adopter ist das wichtiger als ein dickes Gehalt und eine hohe Position. Neulich haben sie ihm einen Chefposten angeboten, aber da hätte er weniger reisen dürfen und somit weniger Gelegenheiten gehabt zum Power-Shopping. Er hat abgesagt. Was ihn daran so glücklich macht, all diese Gegenstände als Erster zu besitzen, kann Constantin aber auch nicht genau sagen. Früher, als es noch keine Handys und Laptops gab, kam er ja irgendwie auch zurecht. Und er hatte damals sogar noch einen Freund.