In der Debatte um das Buch des Amerikaners Norman Finkelstein The Holocaust Industry ist immer wieder an die Kontroverse um Daniel Goldhagens Werk Hitlers willige Vollstrecker vor vier Jahren erinnert worden. Doch der Vergleich ist abwegig. Über Goldhagens Provokation lohnte es sich zu streiten, weil die Frage nach Rolle und Motiven der "gewöhnlichen Deutschen" beim Judenmord zuvor kaum diskutiert worden war. Über Finkelsteins Provokation lohnt der Streit nicht. Denn sie bedient lediglich dumpfe Ressentiments. Seine Kernthese, eine weltweit agierende, allmächtige "Holocaust-Industrie" (was immer darunter zu verstehen ist) nutze das Leiden der jüdischen Opfer nur zu dem Zwecke, sich selbst zu bereichern und Israels Politik vor Kritik abzuschirmen, schließt direkt an das alte Klischee einer jüdischen Verschwörung an. Zu Recht hat der Harvard-Historiker Charles S.

Maier darauf aufmerksam gemacht, dass Finkelsteins giftige Anklage an eine "Neuauflage" der antisemitischen Schmähschrift Die Protokolle der Weisen von Zion grenzt.

Man mag darüber streiten, ob beim Gedenken an den Holocaust nicht gelegentlich des Guten zu viel getan wird. Man mag auch fragen, ob das Verhalten der amerikanischen Anwälte in den jüngsten Entschädigungsverhandlungen in jedem Falle angemessen war. Doch Finkelstein schießt mit seiner Polemik weit über das Ziel hinaus, wenn er in den jüdischen Organisationen nur noch finstere, profitgierige Geschäftemacher am Werke sieht. Dass der Autor ein Sohn von Holocaust-Überlebenden ist, macht seine Hirngespinste nicht besser, sondern eher noch schlimmer.

Aufschlussreicher als das Machwerk selbst ist seine Aufnahme hierzulande. Sie reicht von verlegenem Schweigen über krampfhafte Bemühungen, es als Diskussionsgegenstand ernst zu nehmen, bis hin zur jubelnden Zustimmung in der rechtsextremen Szene. Die National-Zeitung feierte in einem zweiseitigen Aufmacher den jüdischen Kronzeugen gegen die Holocaust-Mafia, und die Junge Freiheit forderte, das Epoche machende Werk müsse unverzüglich ins Deutsche übersetzt werden.

Prompt erhörte der Piper Verlag den Ruf. Im Februar 2001 will er das Pamphlet herausbringen. Man verspricht sich offenbar ein gutes Geschäft. Das Ganze verdient nur einen einzigen Kommentar: Widerwärtig.