DIE ZEIT: Sie haben über ein Kind geschrieben, einen kleinen Engländer, der in Asien strandet, ohne Eltern, ganz allein. Geschrieben mit der Erfahrung eines kleinen Japaners, den es mit fünf Jahren nach England verschlagen hat ...

KAZUO ISHIGURO: Als ich schrieb, war ich mir sehr bewusst, dass die Leute ein autobiografisches Element vermuten würden. Aber der kleine Christopher hat einen japanischen Freund, Akira, und ich könnte nicht sagen, ob ich mehr der englische oder der japanische Junge bin. Ich schreibe einfach gern über Kindheit. Ich genieße es, die Kindheit wiederzuerfinden, die Atmosphäre und die Dinge, die eine Rolle spielen, wenn man Kind ist. Oder die einen verstören.

ZEIT: Christopher ist herzzerreißend ernsthaft. Immer vorsichtig. Bemüht, alles richtig zu machen. Unendlich tapfer.

ISHIGURO: Die Kinder sind nicht wie ich, nicht in einem direktem Sinne. Aber trotzdem habe ich das Gefühl, dass sie mir auf einer emotionalen Ebene gleichen. Denn ich kann natürlich nur über Gefühle schreiben, die ich selbst kenne.

ZEIT: Sie haben daraus auch sehr komische Szenen gemacht, solche, in denen die Sicht des Kindes mit den großen Ereignissen der Erwachsenenwelt auf absurde Weise kollidiert.

ISHIGURO: Diese Beziehung ist natürlich übertrieben, weil das Buch von jemandem handelt, der bis in das Erwachsenenalter in einem Teil genau so bleibt, wie er als Kind war.

ZEIT: Und das endet tragisch.