M E D I Z I N Intersexualität

Am Anfang sind wir alle Zwitter: Bis zur sechsten Woche tragen alle Feten Anlagen für beide Geschlechter in sich. Erst danach prägen die Gene ein männliches oder weibliches Wesen. Ein XY-Chromosomenpaar lässt Hoden, später den Penis wachsen, ein XX führt zu Eierstöcken und Klitoris. Doch auf dem Weg vom "neutralen" Feten zu Mann oder Frau kommt der Natur manchmal etwas dazwischen. Chromosomen fehlen oder sind überzählig, Enzyme versagen, Hormone fallen aus. Ärzte zählen Dutzende verschiedener Störungsbilder.

Bei Katrin Ann Kunze können die männlichen Hormone nicht wirken, weil entsprechende Empfangsmoleküle (Rezeptoren) für die Hormone fehlen. Das Syndrom heißt AIS (Androgen Insensitivity Syndrome). AIS-Patienten verfügen zwar über Hoden im Körperinneren und männliche Erbanlagen, kommen aber äußerlich als Mädchen zur Welt. Mitunter wird das Syndrom erst sehr spät entdeckt. So kam bei den Olympischen Spielen 1988 in Seoul ans Licht, dass die spanische Leichtathletin Maria Patino genetisch betrachtet ein Mann ist. Beim häufigsten intersexuellen Befund, dem Adrenogenitalen Syndrom (AGS), produzieren defekte Nebennieren zu viele männliche Sexualhormone. Dies führt bei weiblichen Feten manchmal zu einer sehr großen, penisähnlichen Klitoris. Man spricht dann von weiblichen Pseudohermaphroditen. Echte Hermaphroditen hingegen, mit Hoden und Eierstöcken, sind äußerst selten.

 
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