Francesco Biamonti: Die Reinheit der Oliven, aus dem Italienischen von Paul W. Wührl, Klett-Cotta, Stuttgart 2000, 214 S., 36,- DM.

Es ist eins der Bücher, die man nur erträgt, wenn man sich ihnen hingeben kann. Trotz der Oliven im Titel weder authentisch-rauhe Bauernprosa noch Stoff für Kaminabende im toskanischen Zweithaus. Eher Wind, Sand und Sterne in einer Form, die langen Atem verlangt, träumerische Genügsamkeit, poetische Endzeitstimmung. Denn Leonardos Olivenbäume aus dem 14. Jahrhundert flüstern von seiner Endlichkeit und unserer, wie die Landschaft, wie das Wetter:"Ich habe nichts mehr als diese Abende, die vom Gold zum Rosa hinüberspielen, diese Vorspiele zu einer größeren Überfahrt." Francesco Biamonti, dessen Bücher zögernd mal hier, mal da ins Deutsche kommen, lässt mit einer eher intensiven denn ausgreifenden Fantasie seine karge Heimat sprechen. "Es gibt zwei Ligurien, dachte er, eines an der Küste, mit Drogenhandel, in Besitz genommen und massakriert von Neubauten und eines in den Bergen, eine Art Kastilien, wo noch Strenge herrscht ich wohne an der Grenze." Keusch ist dieses "Kastilien", in dem Gewalt und Liebe gleich gültige Pole bilden wie die zwei Bergdörfer, zwischen denen kurdische Grenzgänger nach Frankreich unterwegs sind und Frauen wie Veronique sich "im richtigen Augenblick in Statuen" verwandeln. Es geschieht fast nichts in dieser Welt. Zwar entdeckt Leonardo, wer ihn angeschossen hat, Flüchtlinge passieren sein Grundstück, ein ehemaliger französischer Oberst kommt zum Sterben. Doch vor allem riecht man Meer, fühlt Rinde, atmet im Rhythmus einer kargen Lebensherbst-Elegie.

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Hand-/Rilke all'italiana, herbsüße Altersprosa, manieriert und erdverbunden.

Man will sie abschütteln und dennoch immer Sätze nachsprechen: "Draußen löste sich das letzte Licht mühsam von einer Geranie ..."

 
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    • Quelle DIE ZEIT, 41/2000
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    • Schlagworte Berg | Buch | Drogenhandel | Flüchtling | Gewalt | Gold
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