Ein unsympathisches Buch, ärgerlich und banal. Mit dem Paukenschlag "Die junge deutsche Literatur gilt wieder etwas" wird eine Bühne eröffnet, die weitgehend leer ist. Schon dieses Vorwort mit seinem "Nie zuvor haben junge Autoren ..."-Gestus ist in hochtrabender Unbildung eine Mogelpackung

"Nie zuvor"? Schon mal was von Sturm und Drang, von Expressionismus, vom Jahr 1959 gehört? "Die Vorschüsse der Verlage belegen einen neuen Optimismus": du lieber Himmel! Der Vertragsvorschuss als literarische Kategorie. Über diesen Unsinn ließe sich eine Glosse schreiben. Wie über die Vollmundigkeit der Herausgeber, von denen wir belehrt werden, "Die junge deutsche Literatur erzählt wieder Geschichten". Das taten also Christa Wolf nicht noch Walter Kempowski, noch Christoph Hein?

"Pablo Neruda ist auch unter meinen Favoriten"

Jugend, Jugend! schmettern die hellen Fanfaren - als sei jung bereits irgendein Qualitätsausweis

diese possierliche Musik klingt im Übrigen auch deshalb einigermaßen wundersam, als ja fast alle 33 der hier versammelten Autoren in jener Maienblüte stehen, die ihnen vor jeder Disco-Tür die Frage eintrüge: "Hassu Probleme oder was, Opi?"

33 Autoren geben keine Auskunft. Auf die Frage nach literarischen Vorbildern heben sie entweder - brave Schüler, die wissen, wie hoch der Kilimandscharo ist - den Finger und rufen "Sylvia Plath, Herr Lehrer!": oder, oder, oder

das Kindler-Literaturlexikon in unalphabetischer Reihenfolge, mal Homer und mal Proust: "Neben Joyce' Ulysses war Pynchons Die Enden der Parabel überhaupt erst die Initiation für mich, selbst mit dem Schreiben anzufangen"