Im Anfang war eine Frau
Vom Handwerksbetrieb zum Industriegiganten: Lothar Gall erzählt die legendäre Geschichte vom Aufstieg der Firma Krupp
Krupp - der Name weckt noch heute zwiespältige Empfindungen. Einerseits symbolisiert er wie kein Zweiter den Siegeszug des modernen Industriekapitalismus im 19. Jahrhundert
andererseits steht er für die unheilvolle Verquickung von Rüstungsgeschäft und Politik im kaiserlichen Deutschland. Als "Waffenschmiede des Reiches" unterhielt die Firma beste Beziehungen zur preußischen Staatsbürokratie, und schon die zeitgenössische Kritik vermutete, dass bei der Vergabe von Rüstungsaufträgen reichlich Bestechungsgelder geflossen seien.
Leider geht Lothar Gall auf diesen Punkt nur am Rande ein (obwohl sich aktuelle Bezüge hier geradezu aufdrängen). Ansonsten aber lässt seine Darstellung des Aufstiegs der Firma Krupp aus kleinsten Anfängen zum mächtigen Industriegiganten kaum Wünsche offen. Aus den reichen Beständen des Firmenarchivs schöpfend, gelingt es Gall, die Vielzahl der Einzelaspekte zu einer Synthese zu bringen, die alles enthält, was eine moderne Unternehmensgeschichte auszeichnet: die technischen Verfahren und die Entwicklung der Produkte
die Unternehmensverfassung und die Organisation der Arbeit
die Differenzierung der Belegschaft und die Professionalisierung des Managements. Gekonnt werden die inneren Strukturen des Betriebs in Beziehung gesetzt zu den äußeren Rahmenbedingungen, die von zwei umwälzenden Ereignissen bestimmt wurden: dem Durchbruch der Industriellen Revolution und der Gründung des kleindeutsch-großpreußischen Nationalstaats. Vor allem aber versteht Gall es, unser Interesse zu wecken für die Mitglieder der Familiendynastie - vom Firmengründer Friedrich Krupp, über dessen Sohn Alfred, viele Jahrzehnte die beherrschende Figur, und dessen Sohn Friedrich Alfred bis hin zu Gustav Krupp von Bohlen und Halbach, dem Mann der Erbin Bertha Krupp.
Am Anfang steht freilich die Hommage an eine Frau, Helene Amalie Krupp, die ihrem Enkel 1810 ein beträchtliches Vermögen hinterließ - willkommenes Startkapital für die Errichtung einer Gussstahlfabrik, mit der der 24jährige Friedrich Krupp die bis dato überlegene englische Konkurrenz herausfordern wollte. Doch das Pech klebte an seiner Unternehmung. Als er 1826 starb, war das großmütterliche Erbe vertan, und er selbst galt unter Essens Honoratioren als eine gescheiterte Existenz.
Es ist also keine reine Erfolgsgeschichte, die hier präsentiert wird. Auch Alfred Krupp, der als 14-Jähriger, noch im Schüleralter, in die Fußstapfen seines Vaters trat, hatte zunächst schwer zu kämpfen. Sieben Arbeiter zählte die Fabrik bei der Übernahme






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