Am 30. Oktober 1920 treffen sich in der Preußischen Staatsbibliothek zu Berlin Würdenträger der Wissenschaft und Vertreter des Reichsinnenministeriums. Sie gründen eine Notgemeinschaft der Deutschen Wissenschaft. Zwei Jahre nach dem Ersten Weltkrieg soll die Forschung wieder aufgerüstet werden.

Präsident der Notgemeinschaft wird der Jurist Friedrich Schmidt-Ott, der sich im Preußischen Kultusministerium vom Assessor zum Minister hochgearbeitet hat. Sein Stellvertreter ist der Chemiker Fritz Haber, Direktor des Kaiser-Wilhelm-Instituts für Physikalische Chemie. Er hatte im Krieg, völkerrechtswidrig, den deutschen Giftgaseinsatz geleitet. Haber und Schmidt-Ott sind die geistigen Väter der Notgemeinschaft. Die zunächst spärliche finanzielle Ausstattung kommt vom Reichsfinanzminister und von einem Stifterverband der Industrie, repräsentiert durch Carl Friedrich von Siemens und dessen Vertreter Hugo Stinnes.

1933 muss Haber, da nicht "arisch", emigrieren, 1934 wird der Monarchist Schmidt-Ott verabschiedet. Die Notgemeinschaft nennt sich fortan Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG). Ihr Präsident wird Johannes Stark, ein Vertreter der antisemitischen Deutschen Physik. Ihn verdrängt 1936 der Wehrchemiker Rudolf Mentzel, ein Vertrauter des Reichsministers für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung Bernhard Rust.

Im März 1937 wird innerhalb der DFG ein Forschungsrat gegründet, der sich bald Reichsforschungsrat nennt - sein erster Präsident ist ein Ordinarius für Ballistik an der wehrtechnischen Fakultät der Technischen Hochschule Berlin: Karl Becker, General der Artillerie und Chef des Heereswaffenamts. Er personifiziert die Militarisierung der Forschung (ihm folgen in dieser Position 1940 Reichsminister Rust und 1942 Reichsmarschall Hermann Göring).

Neben Militärprojekten finanziert die DFG im großen Umfang Geisteswissenschaftler, und zwar solche, die deutsche Besitzansprüche im Ausland wissenschaftlich fundieren. Die "Fahndung nach deutschem Blut" in fremden Ländern soll vor allem die Germanisierung der Ostvölker legitimieren.

So wird 1934 der Psychologe Rudolf Hippius in einem DFG-Gutachten als hoch begabter Forscher "von deutschem Blut und entschieden deutscher Gesinnung" gepriesen. Die DFG fördert sein Projekt "über den Warthegau als Siedlungsraum" (der spätere NS-Mustergau umfasste Posen und Lodz). Hippius ist zuletzt Direktor der Abteilung Völkerpsychologie der Prager Reinhard-Heydrich-Stiftung zur Assimilation der Tschechen. Seine letzte Studie wird im Juni 1945 unerledigt zu den Akten genommen. Hippius gilt als verschollen.

Die jeweiligen Forschungsprojekte der DFG werden von so genannten Fachspartenleitern (für Physik, Anorganische Chemie, Holzforschung und so weiter) bewilligt. Sie entscheiden selbstständig. Fachspartenleiter für Medizin, Rassenforschung und Rassenbiologie ist der legendäre Chirurg Ferdinand Sauerbruch, Professor an Berlins berühmtester Klinik, der Charité.