Richtig, man kann sich nicht selbst kitzeln. Das wissen die meisten aus Erfahrung. Aber wieso geht das nicht? Es hat damit zu tun, dass unser Gehirn "erwartete" Sinneseindrücke zum größten Teil ausblendet. Wenn man sich überlegt, was allein unser Tastsinn ständig an Reizen liefert: Beim Gehen müssten bei jedem Schritt die Fußsohlen jucken; wenn wir auf einem Stuhl sitzen, meldet die Gesäßmuskulatur permanent, dass auf sie Druck ausgeübt wird. Gäbe es nicht einen Filter, der das Ungewöhnliche vom Erwarteten separiert, könnte das Hirn unter dem Schwall von Eindrücken die wichtigen Informationen nicht mehr herausfinden.

Hirnforscher vom University College in London haben nun versucht, das am Beispiel des Kitzelns nachzuweisen. Die Doktorandin Sarah-Jayne Blakemore ersann das Experiment, bei dem Versuchspersonen in einen Kernspintomografen geschoben wurden, der ihre Hirnaktivitäten aufzeichnete. Mit einem an einer Stange befestigten Stück Schaumgummi sollten sie sich nun mal selbst kitzeln, mal wurden sie von einer anderen Person traktiert. Das Ergebnis: Die Hirnregionen, die Berührung und Belustigung registrieren, waren im Fall des Selbstkitzelns weniger aktiv. Und das lag nicht etwa daran, dass die Fremdkitzelei völlig überraschend gewesen wäre - der Reiz kam sehr regelmäßig und vorhersagbar. Er war nur nicht mit einer Eigenbewegung des Körpers gekoppelt. "Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass das Cerebellum daran beteiligt ist, die sensorischen Folgen einer Bewegung vorherzusagen", heißt es in einer Arbeit der Londoner Forscher. Das Cerebellum scheint also den anderen Hirnregionen zu signalisieren: "Regt euch nicht auf, das sind nur wir selbst."
 

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