Verlagswesen Siegfried Unseld, der Suhrkamp-Chef
Siegfried Unseld wird im Gespräch mit Autoren warm, den Suhrkamp Verlag lenkt er mit kalter Hand
Nein, habe ich gesagt, den Mann, den gibt es, so oder so, habe ich gesagt, gibt es den Mann. Der, von dem hier die Rede ist, heißt Siegfried Unseld. Und die Geschichte, aus der hier zitiert wird, hat die Schriftstellerin Ulla Berkéwicz erzählt. Sie wusste damals noch nicht, dass sie den Mann heiraten würde.
Siegfried Unseld, längst legendärer Chef und Mehrheitsgesellschafter des Suhrkamp Verlages, ist nicht (mehr?) ein Mann, der sich jedem leicht erschließt. Deshalb hilft die Gegenwart seiner Frau und überbrückt beim ersten Besuch eine unvermutet breite Distanz.
An der Stimmung ändert sich auch nicht viel durch das vielfach literarisch beschriebene und darum nüchtern skizzierte Ritual: den Gang in den Keller des Hauses Klettenberg-straße 35, Frankfurt. Hier lagert, staubsicher verschlossen, das literarische Vermächtnis Deutschlands nach dem Kriege - mehr als 12 000 Suhrkamp-Titel, chronologisch geordnet. Der Ort ist nahezu schmucklos, ein paar Bilder von Autorenkindern an den Wänden. Siegfried Unseld präsentiert ihn beinahe wortlos. Er sagt nur: "Nach 1959 ist alles meine Verantwortung." Und dem Einwurf, viel Platz sei nicht mehr, begegnet er beiläufig: "Für meine Zeit reicht es noch."
Die Klettenbergstraße 35 ist für Literaten ein mythologischer Ort. Drehscheibe ungezählter Briefwechsel, Wallfahrtstätte für Autoren und Kritiker, Nachtplatz nach langen Abenden, zum Beispiel für Uwe Johnson, von dessen ungewöhnlichem Verhältnis zu seinem Verleger noch zu erzählen ist.
Siegfried Unseld ist ein Zwitter. Der lebendige Gegenbeweis jener landläufigen Überzeugung, die Geist und Geld für Widersacher hält. Auf der einen Seite höchst erfolgreicher Unternehmer. Auf der andern Lobbyist und Freund seiner Autoren, der Literatur.
Er beschreibt diesen für ihn so gar nicht widernatürlichen Zustand mit einfachen Worten. Worten und Sätzen, die im Gespräch immer wiederkehren, in Vorträgen, in Jubiläumsschriften. Er sagt: "Wir verlegen keine Bücher, wir verlegen Autoren. Ich muss dem Autor Zuversicht geben, seine Sachen lesen. Ich muss auch dafür Sorge tragen, dass ein Autor schreiben kann, was er schreiben will." Und er sagt: "Wenn sich meine Arbeit nicht rechnete, gäbe es mich und den Verlag nicht mehr. Ich muss alles selber verantworten." Weil er aber bemerkt hat, dass ein paar Ichs zu viel erschienen sind, sagt er noch: "Ohne erfahrene Mitarbeiter läuft nichts. Ein Verlag ist so gut wie seine Autoren und Mitarbeiter."
- Datum 18.04.2008 - 13:17 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT
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