Das Mittelmeer liegt im Bergischen Land. Genauer gesagt: in einer 14 351 Quadratmeter großen Wohlfühloase namens Mediterana. Sie will seit einigen Monaten vor den Toren Kölns ein Leben wie im Süden herbeizaubern.

Ein gutes Dutzend Schweißanbeter hat in der Kerzensauna auf drei hufeisenförmig angeordneten Holzbankreihen Platz genommen. Mein Name ist Mathis Warnert, begrüßt uns der fröhliche Saunaboy, ich wünsche Ihnen viel Vergnügen bei meinem Aufguss aus wilder Kamille und Orange. Mathis schüttet ein paar Kellen auf die heißen Steine, bewedelt uns frontal mit seinem Handtuch, legt noch eine Kelle nach und macht abschließend den die feucht-heiße Luft verteilenden Propeller an. Wie nach einer sanften Landung den Piloten beklatschen wir Schweißgebadeten Mathis, den Aufgießer.

Weil nach der zehnminütigen Schwitzkur aber alle zügig und gleichzeitig raus wollen, verbrennen wir uns vor der Tür fast die Füße. Viel zu heiß, diese Steinplatten. Und wo waren eigentlich die Kerzen? Sie hätten sich bei 80 Grad als zu wachsweich erwiesen, sagt Mathis.

Alles ist original, alles ist authentisch, versichert Siegfried Reddel, der Investor, Bauherr und Betreiber von Mediterana. Von außen erscheint die Erlebnisanlage als ein andalusisch-maurisch-spanischer Stilmix von Bonbonfarben bis hin zu Pastelltönen. Elemente sakralen Baustils vermengen sich mit abgebrochenen Bögen und klassischen Häuserfassaden à la Sevilla zum Gesamtkunstwerk. Unsere Wünsche und Sehnsüchte liegen am Mittelmeer, sagt Reddel und will mit seiner schönen, neuen Sehnsuchtswelt mediterrane Urlaubstimmungen kreieren. Der 40 Millionen Mark teure Bäder-, Fitness- und Wellness-Komplex samt gastronomischer Einrichtungen (leichte mediterrane Küche) befindet sich naturnah am Bensberger See.

Viele Monate lang war der quirlige Reddel im Süden unterwegs. An den Küsten Spaniens, quer durch Portugal, in Marrakesch, in Südfrankreich. Er ist über Märkte geschlendert und hat bei Antiquitätenhändlern geschnüffelt, auf Beutezug nach mediterranen Materialien und Utensilien. In Europa ist vieles leer gekauft. Aber Reddel wurde trotzdem ganz schön fündig und ließ zum Beispiel 100 Jahre alte handgeformte Dachziegel eingefallener Bauernhäusern von der Algarve nach Bergisch Gladbach karren.

Es gibt Amphoren draußen vor der Tür, handbemalte spanische und marokkanische Fliesen auf den Toiletten im Eingangstrakt, spanische und portugiesische Terrakottaböden, handbemalte Kräuteröfen, im Saunagarten ein Eselskarren mit Zulassungsnummer für den Straßenverkehr in Faro. Holztore aus Spanien, Marokko, teilweise auch Indien sind den gläsernen Saunatüren dekorativ vorgelagert wie das 200 Jahre alte, mit arabischen Schriftzügen verzierte Eingangstor zum türkischen Hamam. Und Handwerker aus Marokko verlegten nicht nur arabische Fliesen im Maurischen Bad, sondern beschichteten 1000 Quadratmeter Wandfläche mit der traditionellen Spachteltechnik Tedelakt.

Wir Textilfreien haben in der diversifizierten Wohlfühllandschaft die Wahl der Qual: Sollen wir in der Andalusischen Schwitzgrotte entschlacken oder uns im Katalanischem Kräuterbad die Mischung von wilder Minze, Myrthe und Moschus reinziehen? In der Finca-Sauna vor dem Ofen mit Pinienholz von den Balearen hocken oder uns im Serailbad mit Schlamm von oben bis unten beschmieren?