Erica Fischer: Die Liebe der Lena Goldnadel, Rowohlt Berlin Verlag, Berlin 2000, 250 S., 39,80 DM.

Alle zehn Liebesgeschichten, die Erica Fischer in ihrem Buch nacherzählt, stehen vor dem Hintergrund der Schoah. Entweder sind sie in der Katastrophe passiert, in der überhaupt vielleicht gerade für die Liebe Platz ist, da sie beim Überleben helfen kann. Oder aber die Vergangenheit der Überlebenden überschattet die Liebesbeziehungen der Nachgeborenen in womöglich destruktiver Weise, als dürfte ihnen, den im Frieden Lebenden, nicht gelingen, was den Eltern zerstört wurde. Es sind journalistisch-literarisch geschriebene Texte, von Menschen in Tel Aviv, Sarajevo, Istanbul, Krakau, Paris und San Francisco.

Wäre der Name Lena Goldnadel, nach der das Buch benannt ist, nicht so schön, müsste man es nur ärgerlich finden, dass der Rowohlt-Verlag mit dieser Geschichte, einer lesbischen Liebesgeschichte, das Buch in einer Weise anpreist, wie es nicht passt. Die Autorin Erica Fischer ist auch vielen, die sie noch nicht als Übersetzerin von Kate Millet zu schätzen wussten, bekannt geworden, als ihr Buch Aimee und Jaguar erschien und in den gleichnamigen Film verwandelt wurde, Film und Buch erzählen die Liebesgeschichte einer Jüdin und einer dem Nationalsozialismus nicht abgeneigten Frau. Lena Goldnadel hat als Jüdin versteckt im Kloster überlebt und sich dort in eine Nonne verliebt. Tatsächlich eindrucksvoll an dieser Geschichte ist die alte, etwas skurrile Jüdin in Paris, die ihre Besucherin, die Autorin, in die Inszenierung der ihr vertrauten Angst hineinzieht und zwar durch das Versprechen einer ganz besonderen Liebesgeschichte.