Wolf Schneider: Die Gruner + Jahr Story. Ein Stück deutsche Pressegeschichte, Piper Verlag, München 2000, 440 S., 44,- DM. Ob Wolf Schneider gut beraten war, als er seine Geschichte des Verlages Gruner + Jahr entlang der Zeitgeschichte aufdröselte, darf bezweifelt werden.

Von 1967 an, als die Verleger Gerd Bucerius und John Jahr senior und der Drucker Richard Gruner ihre Unternehmen in einen Topf warfen, bis 2000 bekommt jedes Jahr ein Kapitel, in dem nach Art eines Überblickskalenders die großen Ereignisse im Telegrammstil abgehandelt werden. Diese Daten dienen gleichsam als Folie für Schneiders Verlagschronik. So lässt sich aber nur schwer eine Story erzählen, geschweige denn ein Krimi ausbreiten, wie der Autor im Vorwort verspricht. Zu krampfhaft wirkt dieses Ordnungsprinzip, sodass die wahrlich spannende und aufregende Erfolgsgeschichte des Verlages sich dabei dramaturgisch unmöglich entfalten kann.

Es ist ein Jammer, dass dieser hoch begabte und viel gelobte Journalist, 16 Jahre Zuchtmeister der Henri-Nannen-Schule, eine vom Verlag G + J für viel Geld bestellte ungenügende Arbeit abgeliefert hat, die weit unter seinem Können liegt.

Wo er hätte recherchieren, noch einmal nachfragen müssen, bleibt er bei seinem Gang ins Archiv und häuft Zitate auf Zitate. Resultat: nichts Neues.

Alles Bekannte rührt er noch einmal durch und hat offenbar großen Spaß, die unglückliche Hitler-Tagebuch-Affäre zum x-ten Mal genüsslich zu repetieren.

Die eigene Reflexion fehlt so gut wie ganz. Kurz: Schneiders Sammelsurium macht die Lektüre langweilig. Schade, sehr schade. Einzig das Schlusskapitel Hat die Presse eine Zukunft? lässt erkennen, dass Wolf Schneider ein Journalist ist, mit dem - wenn er nicht gar so eitel und selbstgewiss wäre - ein Streit über die schreibende Zunft lohnend sein könnte.