Stefan Creuzberger u. a. (Hrsg.): Wohin steuert die Osteuropaforschung? Eine Diskussion Verlag Wissenschaft und Politik, Köln 2000 281 S., 38,- DM Zuerst klagten die Osteuropahistoriker: Ihr Fach sei methodisch rückständig und thematisch randständig. Kollegen widersprachen, Slavisten und Bohemisten, Sozial- und Politikwissenschaftler bezogen Stellung. Aus Rede und Gegenrede, persönlichen Animositäten und Eitelkeiten entstand eine Debatte, vornehmlich auf den Seiten der Zeitschrift Osteuropa. Deren Redaktion hat nun die Beiträge in aller Ausführlichkeit als Sammelband herausgegeben.

Der Grund für diese Doppelung ist kaum in den Artikeln selbst zu sehen. Auf den ersten Blick scheint es sogar, als habe bloß ein schon länger schwelender Streit über "neue" kulturwissenschaftliche Ansätze und eine überfällige Reform der Hochschulausbildung endlich die deutsche Osteuropaforschung erreicht. Tatsächlich geht es um mehr: um den Vorwurf, mit dem Ende des Kalten Kriegs wissenschaftlich überfordert gewesen und überflüssig geworden zu sein. Solche Fragen und ihre derzeit möglichen bildungspolitischen Folgen sind zweifellos auch außerhalb der Fachwelt von Interesse. Viele Antworten bleiben aber noch in alten Gedankengängen und Querelen stecken. Während Politologen genügend Themen in den nachsowjetischen Staaten und Gesellschaften finden, betreiben die meisten Osteuropahistoriker statt europäischer Geschichte Sowjetologie noch immer als Hilfswissenschaft.