GENAU, WAS SOLL SEIN? Wenn ein ehemaliger Waldarbeiter aus Greenville, Mississippi, die Axt mit der E-Gitarre vertauscht? T-Model-Ford, 78 Jahre alt und von einer steifen Hüfte geplagt, pflegt solche Fragen mit einem mürrischen Achselzucken wegzuwischen. Der Blues hat mich erst als alten Mann erwischt. Da habe ich mir gesagt: Reg' dich über nichts mehr auf. Aber als ich noch auf beiden Beinen stehen konnte, war ich ein gefährlicher Mann. Wenn mir jemand krumm kam, habe ich meine Fäuste sprechen lassen.

Tatsächlich musste der spät berufene Blues-Mann bereits mit 18 wegen Mordes in einer chain gang malochen. Und auch den Rest seines Lebens, so T-Model, habe er so gut wie jedes Wochenende Gitterstäbe gezählt: Der Alkohol sei schuld gewesen, die Frauen, vielleicht, auch die Gewalt in ihm ... Wen wundert es da, wenn T-Model Fords Musik den Urzustand einer einst zu Recht mit dem Teufel assoziierten Musik verkörpert: Roh, gewalttätig, unberechenbar. Sein Stil, er nennt ihn post war Peavey-powered Hill Stomp, jedenfalls hat mit den Beastie Boys und Courtney Love mehr zu tun als mit dem Zwölf-Takt-Gezupfe friedlicher Opas.

Doch wenn T-Model jemandem etwas zu verdanken hat, dann seiner geschiedenen Frau: Nicht nur, dass sie dem 58-Jährigen einst die erste Gitarre samt Peavy-Verstärker kaufte. Ich hatte Muddy Waters und Howlin' Wolf gehört.

Ihre Songs kreisten dauernd in meinem Kopf herum, aber ich dachte nicht daran, selbst zu spielen. Die Nacht als mich meine Frau verließ, war die Nacht, in der ich die Kartons mit den Instrumenten aufschnitt. Und ich blieb so lange sitzen, bis ich diesen Drecksklang hatte. Ein Drecksklang, der dazu in der Lage ist, selbst Betrunkene noch einmal auf die Tanzfläche zu peitschen. She Ain't None Of Your'n, T-Models viertes Album, kommt ohne Umschweife zur Sache: Drei, vier schmutzig angerissene Gitarrenakkorde, Dreschflegel-Schlagzeug und das Aufheulen eines zutiefst verwundeten Mannes.

Junk, Chicken Head Man, She Asked Me So I Told Her ... Nicht gerade der Stoff, aus dem Liebesbriefe gemacht sind. Doch davon hat T-Model sowieso die Schnauze voll. Nun will er nur noch Karriere machen: Lass mich im Weißen Haus spielen, es juckt mich nicht, ich weiß, ich bin der Beste.

T-Model Ford: She Ain't None Of Your'n (Fat Possum/Epitaph 80335-2)