Triumphal nennen's die einen, ärgerlich, ja enigmatisch die anderen. Wovon ist die Rede? Von den ersten Auftritten, liebe Leserinnen und Leser, Ihres Ombudsmannes Theckel. Dass es Wellen schlug, nicht nur in diesem größeren Deutschland, sondern bis in den Elysée hinein, war zu erwarten gewesen. Zum ersten Mal seit Maastricht fand der europäische Diskurs nun nicht mehr nur in den Hinterzimmern und "Konferenzsälen" der Akademien und Talkshows statt, in diesem Umfeld von Wichtigtuern, Wasserträgern und "spin doctors" - von den Marketenderinnen der Entspannungspolitik ganz zu schweigen ...

Nein, ein einfacher Bürger hat sich das Recht genommen, mitzusprechen beim Gipfel der "Großen" ein aufrechter Citoyen und Antifaschist avant la lettre, der nichts in Händen hielt als sein Großes Latinum, seinen gesunden Menschenverstand und den unabänderlichen Entschluss, allen Menschen guten Willens Frieden, Freundschaft und Aufklärung zu bringen. Wie viele Divisionen hat der Papst, pflegte das stalinistische Ungeheuer Stalin einst hämisch zu fragen - aber wo sind sie geblieben, die Stalins und Maos, die Hitlers und Saddame (Husseine)? "The wind of change" hat sie hingweggefegt, aber der kleine Mann, dem außer der Kraft seiner Argumente, der Schönheit seiner Sprache und der Wahrhaftigkeit seiner Motive nichts geblieben ist - dieser kleine Mann existiert immer noch, und Tausende Leser stehen hinter ihm. Denn wenn die Gedanken die Massen ergreifen, so werden sie zur materiellen Gewalt.

Solches sprach einst Karl Marx - auch er ein begnadeter Menschenfischer und "ami du peuple". Doch ebendieser Pöbel, der ihn gerade noch gefeiert hatte, goss nun Hohn und Spott über ihm aus. Was war geschehen? Eine verbrecherische Clique kleinbürgerlicher Elemente hatte sich die im Kern vernünftige Theorie, wonach jeder möglichst effektiv arbeiten solle und der Mehrwert (Surplus) an die Bedürftigen zu verteilen sei, angeeignet und, in maßlosem Zynismus, verballhornt: "Wandlitz" das verzerrte Afterbild dieser "Genossen" und ihrer Gespielinnen ...

Doch auch in diesem Fall wurde das Kind mit dem Bade ausgeschüttet, indem nun plötzlich Nanorobotik und Genomanalyse die Lehr-Stelle des Sozialismus einnahmen und für sakrosankt erklärt wurden. Aber sind die zentralen Impulse der Aufklärung dadurch obsolet geworden, dass man sie - auch und gerade! -

missbraucht hat? Nur durch "trial and error", nur durch Falsifizierung im Sinne Sir Karl Poppers kommen wir der Wahrheit näher - ohne sie freilich je in Gänze zu erreichen. Wer sich in ihrem Besitze dünkt, lieber Bruder in Christo Ratzinger, hat sie ja schon verfehlt fürs Linsengericht der Rechthaberei und Medienpräsenz. Denn laut Bibel steht den geistlich Armen das Himmelreich offen - nicht den selbstgefälligen Schriftgelehrten, die ihren Mitbrüdern den Glauben abschnöden und die katholische Kirche, diese selbsternannte "una sancta", mit Rabulistik und Syllogismen in die Pole-Position zu bringen versuchen.

Wie an Jesus, wie an Marx, so haben auch an Theckel manche "Kritiker" ihr Mütchen gekühlt und kübelweise Unflat ausgegossen über ihn, bis hin zu der Posse, Theckel sei Hanseat und unehelicher Geburt. Wohlan: Mit Thomas Mann und Willy Brandt in einem Boot, da gibt es Schlimmeres ... Aber ohne Sie, meine lieben Leserinnen und Leser, ohne ihre Begeisterung, wäre es doch recht "eng" geworden. Auch eine kritische Wochenzeitung kann ihr Renommee nur einmal verspielen.

Jesus, Marx, Theckel, nur diese drei: Sie sind umstritten - so what? Sie werden bestritten - why not? Streit, Konflikt, verbale (!) Auseinandersetzung sind ja das Salz der Demokratie, der Humus des Diskurses, auf dem Zivilgesellschaft wächst und gedeiht. Mit Muckern und Ewiggestrigen lässt sich keine moderne, flexible, globale Gesellschaft schöpfen, liebe "Kardinäle" dieser Welt. Ecce Theckel!