Am DONNERSTAG schicke ich die Studenten, die mein Seminar besuchen, nach Hause. Denn die Belgrader Universität ist im Streik. Wir streiken unter anderem, bis alle Studierenden, die bei den Demonstrationen und davor inhaftiert wurden, freigelassen sind.

FREITAGS fahre ich nach Graz. Dort führen wir mit Belgrader Schauspielern mein neues Theaterstück Der Sturz auf - das erste Mal in Freiheit! Die Premiere war vor drei Wochen in Belgrad, also noch vor den Wahlen. Das Stück ist sehr politisch, es handelt von einem Diktatorenehepaar. Bizarr wurde es, als zwei Tage nach der Wahl Milosevics Sturz begann - in echt. Und während das Stück wie jeden Abend im Theater lief, demonstrierten die Leute draußen.

Als wäre die Fiktion von der Realität eingeholt worden. Von der Straße kamen Menschen ins Theater gelaufen, andere rannten raus, um zu sehen, was passiert.

Für SAMSTAG habe ich den etwas verwegenen Plan, ohne Visum nach Slowenien einzureisen. Ich bin nicht dazu gekommen, meinen Reisepass dafür abzugeben.

Ein Theater in der Stadt Maribor, also nahe der österreichischen Grenze, spielt ein Stück von mir. Das wird noch ein kleines Abenteuer.

Der SONNTAG ist für Freunde reserviert. Ich habe allen Bescheid gesagt, die sich nicht mehr trauten, nach Belgrad zu fahren, dass ich in Graz sein werde.

Ich werde sie in ein Lokal bestellen und sehr viel erzählen: von dem unsicheren Gefühl, das die ganze Zeit herrschte. Der Frage, wie alles ausgehen würde, während wir auf der Straße waren, vor der Polizei wegliefen, heulten - alles war sehr emotional -, dann wiederkamen und weiterdemonstrierten. Wenn man mittendrin ist, weiß man am wenigsten, was eigentlich los ist. Wir sind auf das Dach vom Rathaus gestiegen, um uns Überblick zu verschaffen. Das sah gespenstisch aus, das einzige Licht kam vom brennenden Parlament. Immer mehr junge Leute kletterten hoch, um zu sehen, wie sich die Grenzen verschoben zwischen Polizei und Demonstranten. Klingt seltsam, aber es war wie bei einem Rugbyspiel. Das werde ich alles erzählen, um es erst mal selbst zu kapieren, und dann werden wir sehr viel trinken.