"Ist der 3. Oktober der falsche Feiertag?", fragt die ZEIT im Gespräch mit dem Außenminister Joschka Fischer, der den Tag der Deutschen Einheit auf den 9. November verlegen und an den Fall der Mauer und die Reichspogromnacht erinnern möchte. Dem 3. Oktober fehlt jede Symbolkraft, und der Tag der Deutschen Einheit ist meines Erachtens auch kein Feiertag. Eine Feier schließt eine Leistung ab, sie ist freudige Rückschau auf die Vergangenheit. In einer Demokratie ist der Preis der individuellen Freiheit aber zugleich die Pflicht zur gesellschaftlichen Verantwortung. Sie endet nicht mit der Deutschen Einheit, sondern richtet sich - mit neuem Auftrag - vor allem auf die Gegenwart und Zukunft. Daran müssen sich unser Umgang mit der Geschichte, der politische Alltag und die Gestaltung einer demokratischen Gesellschaft messen lassen. Da der Mauerfall und die Reichspogromnacht auf einen Jahrestag fallen, symbolisiert dieser Tag die Grundidee der Verbindung von Freiheit und Verantwortung in besonderer Weise. Deshalb sollte der 9. November als Gedenktag der Deutschen Einheit diesen Gedanken alljährlich neu beleben.

Josef Janßen Bielefeld