Eine amerikanische Autorin, ein italienischer Schauplatz, eine deutsche Produktion - ob so viel Globalisierung gut gehen könne, war im Vorfeld arg umstritten. Jetzt kann man sagen: kein Problem. Die US-Erfolgsschriftstellerin Donna Leon hat ihre Krimis in Venedig angesiedelt, der Commissario Brunetti ist ein Gemütsmensch, und dass er von dem in Herne geborenen Schauspieler Joachim Król verkörpert wird, hat dem Unternehmen nicht geschadet. Zumal Michael Degen als Polizeichef Patta temperamentvoller daherkommt als jeder Papagallo und Barbara Auer als Signora Brunetti bezaubernd mamma-mia!-mäßig agiert. Aber so richtig überzeugt haben die redlichruhig gearbeiteten TV-Krimis (Regie: Christian von Castelberg) dennoch nicht. Schuld ist weniger der Nationalitäten-Mix als eine andere Schwervereinbarkeit: die von Literatur und (TV-)Film.

Das soll nicht heißen, dass es Bücher gäbe, die man nicht verfilmen kann.

Aber was eben immer wieder danebengeht, ist der Versuch, die Atmosphäre eines literarischen Werks mit filmischen Mitteln zu wiederholen. Wahrscheinlich ist es besser für einen Regisseur, wenn er nur die Story als Story nimmt und daraus was Eigenes macht, als wenn er die Magie eines Erzählstroms in Bilder zu überführen sucht. Donna Leons Brunetti-Krimis spielen mit der morbiden Grandezza und der kühlen Melancholie des versinkenden Venedigs, der Charakter der Stadt wird in einzelne Aspekte verteilt: Vom Gutmenschen bis zur Bestie kommen sie alle vor. Da ist es denn auch nicht so wichtig, wer letzten Endes der Mörder war und welches Verbrecherkartell ihm die Hand führte - der Abgrund, die Rettung, das Grauen und die Schönheit: Das war und ist Venedig, ciao, Brunetti. Solche Zwischen-den-Zeilen-Messages gehören ganz ins Reich der Literatur

wer versucht, Film aus ihnen zu machen, muss großes Glück haben, um damit durchzukommen. Dieses Glück blieb den deutschen Donna-Leon-Produktionen versagt. Die Filme waren artig gemacht, optisch erfreulich und schauspielerisch prima - aber sie waren nicht spannend. Und so ein Manko wiegt schwer bei einem Krimi.

Im Roman geht man mit Brunetti mit, auch wenn die mafiosen Verstrickungen im Hintergrund eine Klärung der Fälle immer unwahrscheinlicher machen. Im Film will man Ross und Reiter sehen - es reicht einem nicht, wenn am Ende bloß eine Schachfigur auf dem Spielfeld des organisierten Verbrechens ein paar Morde gesteht. Die Literatur darf munkeln. Der Film lebt vom Licht. Das fehlte - als Aufklärung der Fälle - zum Nachteil der Spannung in Vendetta und der Venezianischen Scharade.