Dieser Gralsort nun sollte das Zentrum eines ganzen Netzes von SS-Ordensburgen in den eroberten Ostgebieten werden - Stammburg des Großgermanischen Reiches. Vom 11. bis zum 15. Juni 1941, also kurz vor Beginn des Russlandfeldzugs, berief Himmler seine SS-Gruppenführer zum ersten Mal zu einer Tagung auf die Wewelsburg. Die Rede, die er dabei hielt, ist von großer Bedeutung. Denn in ihr fiel eine der schrecklichsten Ankündigungen des Zweiten Weltkrieges. Sie wurde erst im Nürnberger Prozess der weiteren Öffentlichkeit bekannt, als man den ehemaligen Chef der deutschen Bandenkampfverbände verhörte, General der Waffen-SS Erich von dem Bach-Zelewski. Der General, der 1941 auf der Wewelsburg dabei war, berichtet, Himmler habe davon gesprochen, "daß der Zweck des Rußlandfeldzuges die Dezimierung der slawischen Bevölkerung um dreißig Millionen sein sollte".

Dies sei "die logische Folgerung" der nationalsozialistischen "Weltanschauung", meinte Bach-Zelewski.

Doch auch diese "Weltanschauung", so dürfen wir hinzufügen, ist keine Erfindung der Nationalsozialisten, sondern steht in der nationalistischen Tradition des 19. Jahrhunderts. Schon der heute noch von vielen Deutschen heiß verehrte Ernst Moritz Arndt hatte sich für Deutschland "einen großen militärischen Tyrannen" gewünscht, "der fähig ist, ganze Völker auszurotten ..."

Forscher Frank Helzel ist den Spuren der Wewelsburg-Rede in Himmlers Kriegsansprachen nachgegangen und hat frappierende Zitate gefunden. Als neuer Reichsinnenminister beruft sich der Chef der SS am 6. Oktober 1943 vor Reichs- und Gauleitern in Posen auf König Heinrich I.: Nur mit einer klaren Reichsautorität könne das noch größere Reich aufgebaut werden, dessen Grenzen "einmal am Ural liegen werden"! Und noch im August 1944 schwärmt er: "Wenn es den Kosaken geglückt ist, sich für den russischen Zaren bis ans Gelbe Meer durchzufressen und das ganze Gebiet allmählich zu erobern, dann werden wir und unsere Söhne es in drei Teufels Namen fertigbringen, Jahr für Jahr, Generation für Generation, unsere Bauerntrecks auszurüsten und von dem Gebiet, dass wir zunächst hinter der militärischen Grenze haben, immer einige Kilometer zunächst mit Stützpunkten zu versehen und dann al lmählich flächenmäßig zu besiedeln und die anderen herauszukriegen."

Ende März 1945, als Oberbefehlshaber der Heeresgruppe Weichsel in Stettin, also reichlich diesseits des Urals, dämmert es selbst Himmler, dass der Krieg endgültig verloren ist. Am Karfreitag (!) gibt er einem SS-Hauptsturmführer und Eichenlaubträger den Befehl, mit einem Sonderkommando die Wewelsburg, den Mittelpunkt seiner Wahnwelt, in die Luft zu sprengen. Es ist höchste Zeit, denn die Panzer der Alliierten nähern sich bereits Paderborn. Weil die Sprengstoffmenge jedoch nicht ausreicht, brennt das Gemäuer nur aus

heute dient es als Museum und Jugendherberge.

Nicht zu Ende allerdings war das Nachleben König Heinrichs. Eine unerwartete Renaissance erlebt er just in unseren Tagen. In einer ganzen Reihe von Werken über Heinrich und die Ottonen, so etwa in den Büchern von Gerd Althoff und Hagen Keller oder Ernst Wies, ist wieder das altvertraute Bemühen zu erkennen, Heinrich I. als deutschen Nationalkönig auf den Thron zu heben. Die Quellenbasis mag noch so dünn sein - es wird einfach drauflos schwadroniert.