"Glück gehabt, Herr Beckstein" ruft die SZ dem Innenminister ihres Landes ironisch zu. Den von den Innenministern und Ministerpräsidenten der Länder unterstützten Verbotsantrag gegen die rechtsextreme NPD hält das Münchner Blatt erst dann für glaubwürdig, "wenn die Antragsteller eine humanere, sensiblere Politik für die Menschen machen, denen der Hass der NPD gilt". Dass die Prüfung der Fremdenfreundlichkeit der Antragsteller nicht Teil des juristischen Prüfverfahrens ist, sei ein Glück für den bayerischen Innenminister Beckstein, der einmal anregte, "zwischen 'Ausländern, die uns nützen' und 'Ausländern, die uns ausnutzen' zu unterscheiden'". Auch in der "taz" überwiegen die kritischen Töne angesichts des "fragwürdigen Konsens": "Das rassistische Morden und Treiben wird munter weitergehen. Nicht weil die NPD noch nicht von der Bildfläche verschwunden ist, sondern weil es ihrer dazu gar nicht bedarf." Das liege an der spezifischen Organisationsform des Rechtsextremismus, bei dem "Meinungs-, Organisations- und Aktionspotenzial nicht zusammenfallen". Fremdenfeindlichkeit werde "von Politikern aller Parteien propagiert", die durchgehende Programmatik sei die Aufgabe marginalisierter Parteien, die Gewalt stamme von amorphen Gruppen, die "ihre Anreize aus dem Diskurs der gesellschaftlichen Mitte beziehen". Auch die FAZ macht sich über den Verbotsantrag her, allerdings aus gänzlich anderen Gründen. In bester ultrakonservativer Tradition macht das Blatt mal wieder seinen Fraktur-Überschriften alle Ehre, indem es den Antrag und auch gleich die Großdemo gegen rechts am 9. November für wahlkampftaktische Aktionen der SPD hält, quasi-diktatorische Streiche, die der "alten etatistischen Tradition" der Regierungspartei entstammten. In dem Kommentar "Der Staat als Lichterkette" nennt Thomas Schmid die Demo einen "Mummenschanz" und reduziert überhaupt jede Aktion gegen rechts als von oben gelenkte Symbolpolitik. So entsorgt er kurzerhand jede rechte Gefahr aus der Republik und entmündigt die Bürger zu des Kanzlers Handlangern. Kostprobe gefällig? "Kaum jemand widerspricht, wenn der Bundestagspräsident die durch Wiederholung nicht besser werdende Torheit verbreitet, die rechtsradikale Gefahr reiche bis in die Mitte der Gesellschaft." Ein Satz, der sich selbst ad absurdum führt.

Größte Zweifel, was die Lauterkeit ihrer Motivationen angeht, sind wohl bei der russischen Führung angebracht. Der FR zufolge gibt es auch zweieinhalb Monate nach dem "Kursk"-Unglück "wenig Grund zu der Annahme, dass Russlands Führung endlich gelernt hat und beginnt, sich in erster Linie um seine Bürger zu kümmern statt um den Machterhalt." Putin und seine Generäle stehen erneut unter Druck, denn "mit der Entdeckung der angesichts des Todes geschriebenen Notiz des Kapitäns Kolesnikow ist die "'Kursk' mit einem Schlag wieder ins öffentliche Bewusstsein zurückgekehrt." Nach wie vor hält die russische Führung an ihrer längst widerlegten Kollisions-Version fest und Putin hüllt sich in Schweigen, für die "Welt" Zeichen, "dass es mit der Ehrlichkeit in Russlands Militärspitze weiter nicht zum Besten bestellt ist".

"Man ist fasziniert, kauft sich jeden Tag mit grimmiger Wut die 'Bild'-Zeitung, weil man zu blöd ist, sie sich zu klauen, findet das eigene Interesse obszön, hängt sich alle Daum-Titel an die Wand und sehnt sich nach Wallraff." Detlef Kuhlbrodt hat in der "taz" mitgezählt: "Fünfmal hintereinander hat es Daum bislang auf den Titel von 'B.Z.' und 'Bild' geschafft." Doch am sechsten Tage ruhte der liebe Herrgott der Sensationspresse und hievte einen anderen Mann ins Bewusstsein der lüsternen Leser. Gestern noch auf Seite 9, hat Thomas "Mütze" König heute einen gewaltigen Sprung nach vorne gemacht und es auf die Titelseite geschafft. Ein zweifelhaftes Vergnügen: "Mütze - 1,7 Kilo Hasch in seiner Wohnung". Bei der "Bild" ist man sich nicht mehr sicher, ob man dem netten Kerl noch reinen Gewissens die Daumen drücken darf, wir hingegen sind nun vollends überzeugt, dass "Bild" in die Mülltonne und Jauchs Millionen auf das Bankkonto von "Mütze" gehören.

ausgewertet: FAZ, FR, SZ, Welt, Bild, Tagesspiegel, taz, Handelsblatt

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