Deutlich schärfer wird derweilen auch der Ton im Streit um die künftige Ausländerpolitik in Deutschland - für den Tagesspiegel Grund genug, diesem Thema auf der 1. Seite den Vorzug zu geben: "Stoiber greift Rau an" und "Merkel: Multikulti funktioniert nicht", heißt es dort im Untertitel. Irgendwie passend dazu der heutige Titel der FAZ: "Die NPD ist auf dem Weg von einer Wahlpartei zur Kaderpartei".

Angesichts solcher Meldungen blieb nur wenig Platz, um die Wochenend-Demonstrationen gegen Rechtsextremismus in Düsseldorf und Kassel gebührend zu beachten. Während die taz dem "Ruck am Rhein" fast die ganze Titelseite widmet, begnügt sich die FR mit einem Dreispalter. Und auch der geglückte Raub wertvoller Programmcodes aus dem Hause Microsoft rückt in den Hintergrund. "Cyber Crime bedroht die Internet-Wirtschaft", meldet nur die Welt unter dem Seitenbruch der ersten Seite. Kaum mehr als eine Chronistenpflicht ist scheint die Erwähnung des Expo-Endspurts zu sein: "Steuer-Mehreinnahmen von 2,7 Milliarden Mark", ächzt das Thema auf der Welt-Titelseite. Zu "Breuel zieht positive Bilanz", kann sich immerhin noch die FR hinreißen. Schön ist das außergewöhnlich großformatige Foto der Expo-Chefin Birgit Breuel in der taz. Bissige Bildunterschrift der Berliner: Birgit Breuel beim Verkaufen. Die "schwarze Null" der Expo kostet 2,4 Milliarden Mark.

Last but not least: Das Handelsblatt widmet sich erwartungsgemäß dem bevorstehenden Börsengang der Post. Und für das, was das Volk wirklich bewegt, hat wie so oft Bild die richtige Nase: "Bringen sie Daum in den Knast?", fragen die Springer-Kollegen besorgt. Was für so manchen ihrer Leser wahrscheinlich genau so schlimm wäre wie die Ankündigung auf dem Seitenbruch: "Krankenkasse kontrolliert Blaumacher".

"Große deutsche Worte helfen nicht viel in einer Region, in der Kulturen aufeinander prallen" - Welt-Autor Torsten Krauel hält Gerhard Schröders abermaligen Aufruf, die Gewalt in den Palästinensergebieten zu beenden, nur bedingt für sinnvoll. "Berlin kann auf der Westbank nicht vermitteln", heißt es weiter auf Seite 1 in seinem Kommentar zur Nahost-Reise des Bundeskanzlers, "Aber es kann denen den Rücken stärken, die Extremisten verabscheuen." Bild-Kommentator Georg Gafron hat für die Zurückhaltung Schröders Verständnis und erinnert deshalb an das "historisch begründete und notwendige Sonderverhältnis" zu Israel. Dazu stellt der Tagesspiegel auf der Meinungsseite klar: "Ein Vermittler müsste Israelis und Palästinensern harte Wahrheiten sagen und ihnen die Linien aufzeigen, die sie nicht übertreten dürfen, um den Prozess wieder in Gang und vielleicht voran zu bringen."

Keine dezidierte Meinung zum Nahost-Thema hat derzeit die FAZ - einen Kommentar zu Schröders Rolle in der Nahost-Krise sucht man in der heutigen Ausgabe vergeblich. Angesichts der Diskussion um eine deutsche Leitkultur beschäftigt sich FAZler Paul Hefty auf der Titelseite stattdessen ausführlich mit dem Zeitgeist in der CDU. Bemerkenswert ist dabei sein Fazit - fällt ihm doch auf, dass die CDU-Vorsitzende Angela Merkel "kühl und scharf die Stimmungswellen berechnet, um auf ihnen zu surfen". Die FR bleibt derweil ebenfalls cool und fragt in, warum der neue CDU Generalsekretär, Laurenz Meyer, zum x-ten Male betont, "auch Ausländer müssten sich ans Grundgesetz halten, wenn er nicht unterstellen will, Fremde neigten zur Untreue gegen die Verfassung".

Ein Krieg bedroht nicht nur den Nahen Osten, sondern auch die Internet-Wirtschaft. Geradezu grotesk mutet es dabei an, dass ausgerechnet wichtige Programmcodes des mächtigsten Softwareherstellers der Welt, Bill Gates Microsoft, gestohlen wurden - und das vermutlich ausgerechnet von Russen. Die Welt erkennt die Bedeutung dieses David-gegen-Goliath-Ereignisses und widmet ihm im Wirtschaftsteil eine ganze Seite. Im Kommentar stellen die Hamburger schließlich die Kernfrage: "Wenn Microsoft vor Hackern nicht sicher ist, wer dann?" Ob in diesem Zusammenhang übrigens richtig ist, was der Tagesspiegel in einem Interview mit dem Fondsmanager Andre Köttner über "Luftschlösser an der Börse" meldet, ist natürlich fraglich: "Am Neuen Markt liegt das Schlimmste hinter uns".

Wäre ja auch egal, denn wer den Gottschalk-Brüdern glaubt, ordert ab heute - die Zeichnungsfrist hat begonnen - sowieso massenweise Aktien der Post AG. Das vermutet wahrscheinlich auch das Handelsblatt, das einem Gespräch mit Post-Chef Zumwinkel zufolge meldet, die vollständige Privatisierung der Post AG könnte bis zum Jahr 2005 vollzogen sein. Ein Kommentar auf Seite 2 setzt sich mit den Chancen der Aktie auseinander, die dabei allerdings ein wenig hochgejubelt werden. Nur Bild - ganz Blatt des Volkes - vergleicht noch einmal die nicht nur positive Entwicklung der drei letzten Volksaktien Telekom, T-Online und Infineon und erinnert dabei an die nicht unwesentlichen Risiken der neuen angeblichen Volks-Aktie.