Obwohl selbst das eigene Volk in Massen-Demonstrationen immer wieder das Ende des Terrors fordert, scheint die ETA einen Sinn im Töten zu sehen und mordet weiter. Eine blutige Bilanz der insgesamt 18 schweren Anschläge der Terrororganisation in diesem Jahr zieht die FR auf Seite 2. "Was tun, damit der Irrsinn ein Ende hat", fragt die SZ und gibt in einem Kommentar gleich selbst die Antwort: "Die Staatsmacht muss neue Wege gehen, mit der harten Linie allein ist es nicht getan". Die Stimmung im Land gibt derweilen ein Bericht von Welt-Redakteurin Nicola Nowak wieder: "Man sollte die Kerle alle an die Wand stellen", wird eine ältere Spanierin aus Madrid zitiert; "Hier wünschen sich doch alle die Todesstrafe", ein älterer Mann im Anzug.

Ein Mann, der bekanntlich gerne gute Anzüge trägt, ist derzeit im Nahen Osten unterwegs. Was genau sich Bundeskanzler Gerhard Schröder angesichts der verfahrenen und gerade wieder einmal durch die Israelis verschärften Situation davon verspricht, analysiert die FAZ. "Ist die Nahostreise Schröders wertlos?", fragt Wolfgang Helmer in seinem Kommentar und konstatiert, dass die arabische Welt "öfter mal einen führenden Politiker aus Deutschland" zu sehen wünsche. Zwar spiegelt sich die Reise des Bundeskanzlers nur in relativ geringem Umfang in den Tageszeitungen wieder, der insgesamt zurückhaltende Auftritt Schröders stößt aber auf allgemeine Zustimmung der Redakteure. "Deutschland will still helfen", titelt zum Beispiel die Welt ihre dreispaltige Berichterstattung. Einen lesenswerten Kommentar zum Krieg zwischen Israel und Palästina hat SZ-Redakteur Heiko Flottau verfasst.

Sind Deutschlands Ärzte pflichtvergessen? Sicher, dass Mediziner für höhere Honorare demonstrieren, ist legitim. Aber ein Streik? "Ärzte führen keinen Arbeitskampf", meint der Tagesspiegel und spricht in einem Kommentar aus moralischen Gründen den Medizinern das Streikrecht ab. "Wieder einmal erblicken sie darin finanzielle Fesseln, die ihre Arbeit am Patienten behindern", kommentiert die SZ süffisant das allherbstliche Streikritual der Ärzte. Ein niedergelassener Arzt in Berlin erziele ein Durchschnittseinkommen von 130.000 Mark vor Steuern, zitiert die FAZ Staatssekretär Jordan aus dem Gesundheitsministerium. Auf einen Kommentar verzichten die Frankfurter allerdings. Die Gesundheitsministerin als eine der Wegbereiterin der gegenwärtigen Situation im Gesundheitssystem nimmt schließlich Welt-Kommentatorin Dorothea Siems aufs Korn: "Obwohl die Misere offensichtlich ist, verspricht die Bundesregierung noch immer, dass der Standard der medizinischen Versorgung unter dem Sparzwang nicht leidet", heißt es auf der Titelseite. In einer instruktiven Hintergrundseite zu diesem Thema untermauert die Autorin ihre Kritik.

Auch einen Kampf ums Geld fechten derzeit ein paar Geldinstitute aus - genauer gesagt elf internationale Privatbanken, die sich auf Grundsätze zur Bekämpfung der Geldwäsche geeinigt haben. Mit im Boot ist die Deutsche Bank. Nach einer Berichterstattung des Handelsblattes würden andere deutsche Banken "keinen Handlungsbedarf" sehen, befänden sich aber in "Zugzwang". Kritisch mit diesem vermeintlichen Banken-Vorstoß geht wie gewohnt die taz um. So stellt Katharina Koufen in ihrem Kommentar nicht nur fest, dass in dem neuen Kohle-Kodex nur noch einmal die "bereits geltenden Mindeststandards" festgelegt werden. Die Redakteurin gibt auch gleich ein praktisches Beispiel dafür, dass illegale Gelder auch zukünftig Schlupflöcher finden werden: "Schwer vorstellbar, dass die Bankangestellte aus Hintertupfingen einen afghanischen Vertrag oder eine marokkanische Besitzurkunde als Fälschung erkennt". Kurz und ehrlich und fällt deshalb die Beurteilung der Angelegenheit aus: "Halbseidene Verpflichtung".

Ums Waschen, zumindest der Hände in Unschuld, geht es momentan auch dem Bundesbürger Christoph Paul Daum. Womit wir automatisch zu der Frage kommen, was Bild über den ehemaligen designierten Bundestrainer zu berichten weiß. Und das ist heute etwas mehr als üblich, schließlich bricht der Mann sein Schweigen exklusiv für das Hamburger Boulevard-Blatt. So sind auf Seite 17 nicht nur seine "ersten Worte" nachzulesen, die natürlich erklären, wie sich die Sache mit dem positiven Koks-Test wirklich verhält. Der Leser erfährt auch, dass Daums Geliebte schwanger ist. Das Kind soll - so es ein Knabe wird - Paul heißen. So lautet nämlich Daums zweiter, weniger bekannter Vorname. Schon wieder haben Bild-Leser etwas gelernt.

ausgewertet: FAZ, FR, SZ, Welt, Bild, Tagesspiegel, taz, Handelsblatt

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