"Der Mensch bezieht den ersten ständigen Außenposten im Weltraum" titelt die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Die Welt schließt sich an: "Astronauten starten in eine neue Raumfahrt Ära." Den Tagesspiegel beschäftigen irdische Dinge, dort wird der Bundeskanzler auf seiner Nahost-Reise folgendermaßen zitiert: "Schröder: Die Gewalt muss aufhören". Wie überhaupt Deutschland - ob gewollt oder nicht - immer mehr in den Konflikt, bzw. dessen Lösung einbezogen wird. Die Frankfurter Rundschau titelt: "Barak bittet Berlin um Vermittlung für Geiseln." Die Bildzeitung beschäftigt ein anderes Thema: "Scharping und Gräfin: Heiratspläne" Angeblich will der Verteidigungsminister seine Lebensgefährtin vor den Traualtar führen. Der TAZ schließlich ist die überraschende Absage von Grünen-Chefin Renate Künast an die multikulturelle Gesellschaft sauer aufgestoßen: "Grüne im Tumultikulti" titeln die Berliner.

Sie mühen sich redlich, das muss man schon sagen. Die Kommentare sind auch heute wieder geprägt vom Thema "Leitkultur", und die Kommentatoren haben so ihre Schwierigkeiten, den Begriff einzuordnen. Mit der Bewertung haben sie aber keine Probleme: "Integration ohne Leitkultur ist, wie Zu-Bett-Gehen ohne Bett." Behauptet Georg Paul Hefty in der FAZ und führt weiter aus: "Familien, in denen vorzugsweise Bauchtanz geschaut wird, den Töchtern aber eine Sendung wie 'Herzblatt' oder der Besuch in der Disko untersagt ist, können schwer als 'integriert' gelten." Für was die Singleshow der ARD so alles herhalten muss. Nun ist sie auch noch Sinnbild der deutschen Leitkultur. "Den Begriff der Leitkultur kann nur anstößig finden, wer die kulturelle Differenz in der historischen Tradition leugnet. ... Die Crux mit der deutschen Leitkultur ist der Mangel an gesamtnationalen historischen Traditionen." Schreibt Alexander Gauland als Gast heute in der Welt. Aber vielleicht diskutieren wir ja in der nächsten Woche über einen neuen Begriff. Den hat die Grünen-Chefin in den Ring geworfen. "Künast hatte am Montag erklärt, der Begriff 'Multikultur' sei so 'unscharf' wie die 'deutsche Leitkultur' und werde deshalb von grünen Spitzenpolitikern nicht mehr genutzt. Sie redet jetzt von 'Verfassungspatriotismus'".

Sehr wohl fühlen sich offensichtlich drei einsame Männer. Die sind auf dem Weg zu internationalen Raumstation ISS hoch oben über unseren Köpfen und sollen den Laden erst mal "trocken wohnen" (TAZ). Diese menschliche Großtat beflügelt denn auch die Kommentatoren zu neuen Höchstleistungen: "Die Raumstation kann nur einmal mehr zeigen, dass der Mensch unter größten Anstrengungen in naher Erdumlaufbahn überleben kann. Der US-Physiker Freeman Dyson wünscht sich wie viele Kollegen nachhaltigere Raumfahrtprojekte und bemerkt: Nachdem Kolumbus Amerika erreicht hatte, dauerte es 128 Jahre, bis die Pilgerväter Massachusetts besiedelten. Ähnlich müssten wir mit der Besiedelung des Alls durch den Menschen noch bis 2085 warten - 128 Jahre nach dem Start des ersten Sputnik." Merkt Thomas de Padova im Tagesspiegel an. Die FAZ ist skeptisch, ob die Station außer einem politischen Nutzen überhaupt was bringt. "Ein solches Labor hat nur dann einen Sinn, wenn es umfassend genutzt werden kann. ... Das Interesse der Industrie an Arbeiten unter den Bedingungen der Schwerelosigkeit ... ist gering."

Brisant bleibt die Situation im Nahen Osten. Ruhe will nicht wirklich einkehren, und dass Bundeskanzler Schröder gerade in dieser Situation durch Israel und die angrenzenden Staaten reist, bringt ihm zwar Respekt ein, aber auch Ärger. Dass er nicht die schwierige Rolle des Vermittlers übernehmen könne, stellt der Kanzler laut Tagesspiegel immer wieder klar: "Deutschland könne die USA nicht als Vermittler bei dem Konflikt ersetzen, betonte er. Die Europäische Union könne jedoch bei den Bemühungen um eine Beendigung der Gewalt hilfreich sein.". Das findet auch die Frankfurter Rundschau. "Auch auf der Suche nach einer Formel, die Israelis und Palästinensern eine Rückkehr an den Verhandlungstisch ermöglicht, darf nichts unversucht bleiben. Europa könnte da tatsächlich einen dritten Weg öffnen - gar nicht mal, weil von dort her unbedingt kreativste Vorschläge zu erwarten sind, aber um überhaupt einen neuen Gesprächsanfang zu ermöglichen. Eigentlich müsste Israel damit leben können. Gerade seine enge Partnerschaft mit Deutschland ist ein Garant, dass die EU sich nicht als rein pro-palästinensischer Advokat disqualifiziert."

Für die Häme des Tages sorgt Fußballverein Borussia Dortmund. Nein, sie haben nicht 0:12 gegen eine Alt-Herrenmannschaft verloren, aber die Kicker aus dem Ruhrpott sind seit gestern eine feine Aktiengesellschaft. Allerdings keine besonders erfolgreiche, was die Schreiber der Wirtschaftsredaktionen zu kleinen Perlen des Finanz-Journalismus antreibt: "Nur wenige Sekunden hielt die Vierer-Abwehrkette der Konsortialbanken." Höhnt die Frankfurter Rundschau. Nicht netter die Welt: "Die Aktie des Fußballbundesligisten BVB Borussia Dortmund ist am ersten Tag im amtlichen Handel an der deutschen Börse in die Abstiegszone gerutscht." Dabei sieht sich Borussia-Chef Gerd Niebaum als Leithammel der Bundesliga. "Vorbild für den BVB-Börsengang ist ManU. Seit der Emission 1991 haben die Aktien des englischen Spitzenclubs um mehr als 1000 Prozent zugelegt. Die Titel der meisten anderen rund 30 börsennotierten Vereine in Europa notieren allerdings weit unter den Startkursen." Die Bild-Zeitung tröstet die Fans, die nach Telekom- und Neuen-Markt-Debakel arg gerupft sind: "Borussia hat einen hervorragenden Markennamen, erschließt neue Geschäftsfelder". Der Tagesspiegel kann sich einer kleinen verbalen Spielerei auch nicht enthalten: "Die Anleger haben dem Fußballclub Borussia Dortmund die gelbe Karte gezeigt". Hoffen wir, dass es nicht die rote wird.

ausgewertet: FAZ, FR, SZ, Welt, Bild, Tagesspiegel, taz, Handelsblatt

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