Wer Möllemann kennt, wird sich fragen, was an dieser Meldung erstaunlich sein soll. Doch Möllemann sagte außerdem noch, ein geeigneter Kanzlerkandidat, der am ehesten die Gewähr biete, mindestens 18 Prozent der Wählerstimmen zu holen, solle mit Instrumenten "der Marktforschung" ermittelt werden. Und dass solchermaßen vorgegangen werde, wolle sein Landesverband im kommenden Jahr auf einem Bundesparteitag beantragen.

Das heißt also: Nicht mehr irgendwelche demokratisch gewählten Delegierte, noch etwa das Gesamt der Parteimitglieder (noch gar - wie in den amerikanischen Vorwahlen - die mehr oder weniger eingeschriebenen Wähler der betreffenden Partei) sollen in einer demokratischen Abstimmung einen Kandidaten aufstellen, sondern die Entscheidung wird an die Meinungsforscher abgetreten - so, als gehe es um die Frage: Welches Waschmittel, glauben Sie, wäscht am ehesten weißer?

Nun könnte man sagen, dass mag ja noch lange dauern, denn zuvor müsse man das Parteiengesetz ändern, in dem es immerhin heißt, die innere Ordnung der Parteien müsse "demokratischen Grundsätzen" entsprechen - und nicht etwa "demoskopischen Prinzipien". Doch es kommt ja, rein marktwirtschaftlich gesehen, noch hinzu, dass Möllemann und sein Landesverband ein Angebot am Markt testen lassen wollen, das nur als leere Hülse, also nur als Mogelpackung existiert: Ein Kanzlerkandidat, der (nur) achtzehn Prozent erreicht - aber ohne Mehrheit und ohne Koalitionspartner ernst genommen werden will. Er stehe für diese Aufgabe zur Verfügung, versicherte Möllemann. Für diese Erkenntnis hätte es allerdings keiner Marktforschung bedurft...

Einstimmig also habe sich der Vorstand des FDP-Landesverbandes Nordrhein-Westfalen für dieses Procedere ausgesprochen. Man fragt sich fast: Wer außer Möllemann hat denn an dieser Sitzung teilgenommen?