So verbreitet (und fordert) der designierte CDU-Generalsekretär Laurenz Meyer jetzt das Bekenntnis "Ich bin stolz, ein Deutscher zu sein." Welch himmelschreiender Unsinn! Was kann er denn dafür, dass er ein Deutscher ist! Das ist doch ungefähr das Einzige in seinem Leben, wofür er nun wirklich gar nichts getan hat.

Damit ich nun nicht gleich von solchen stolzen Deutschen des Landes verwiesen werde, hier nun mein Bekenntnis: Ich freue mich, in Deutschland leben zu können - obwohl ich es auch gut in England, in Frankreich (Italien kenne ich nicht so genau) oder in Dänemark aushalten könnte. Aber hier gefällt es mir besser. Hier kenne ich mich besser aus. Ich freue mich, in einer Demokratie leben zu können, in der man mir nicht das Maul verbietet und in der ich, wie jede und jeder andere auch, mein politisches Leben mitbestimmen kann. Und ich fühle mich für den Fortgang der Dinge in diesem Lande verantwortlich...

Aber: Stolz? Stolz, Deutscher zu sein - das ist schon aus den genannten Gründen ein Unfug. Und dass Deutschland als Nation auf seinen Weg in der Geschichte stolz sein könnte - das will doch wohl niemand behaupten! Allenfalls können wir sagen: Wir sind glücklich, dass wir trotz der einzigartigen, verbrecherischen Katastrophe unserer nationalen Geschichte wieder als freie Nation unter Freien mitwirken können an der Zukunft Europas. Und vielleicht dürfen wir uns darüber freuen, dass es uns (genau genommen: unseren Altvorderen) seit 1949 im Westen und seit 1989 in der ganzen Republik gelungen ist, ein Stück dieses zerstörten Vertrauens zurückzugewinnen. Über diese Leistung dürfen sogar jene, die sie erbracht haben, - wenn sie es denn wollen - ein wenig stolz sein; aber diese Freude gilt nicht der unverschuldeten und unverdienten Tatsache, dass sie Deutsche waren, sondern dass sie es trotzdem geschafft haben, Vertrauen zu gewinnen. Aber was hätte der tüchtige Herr Laurenz Meyer bisher dazu beigetragen? Es mag ja erst noch kommen...

Im Grunde fängt eigentlich alles an schief zu werden, wenn Stolz überhaupt ins Spiel kommt. In der alten Lehre von den Tugenden (und Untugenden) wurde der Stolz als Haltung nämlich verurteilt, als beschränkte Sicht nur auf sich selber, so wie eben der Hahn stolz kräht, weil er über anderen steht - aber doch nur auf einem Misthaufen. Und deshalb haben meine württembergischen Vorfahren (ich bin aber nicht etwa stolz, ein Württemberger zu sein!) auch - klug, wie sie sind - gereimt: Dummheit und Stolz wachsen auf einem Holz.