Rüttgers also in der Abseitsfalle? Vor einiger Zeit bekannte er sich in einer Landtagsdebatte zu seinen Fehlern. In der Aussprache über die Regierungserklärung von Ministerpräsident Wolfgang Clement, das räumen selbst Leute aus der Regierung ein, hat nicht etwa der vorlaute Jürgen Möllemann die beste Rede gehalten (im Gegenteil!) - sondern Rüttgers sei auch besser gewesen als der Ministerpräsident.

Heute nun lesen wir in einem Interview, das Jürgen Rüttgers der "Süddeutschen Zeitung" gegeben hat: Die Werbung solle aus dem öffentlichen Rundfunk und Fernsehen verschwinden - und die Klasse der Politiker aus den Aufsichtsgremien. Man hat Ähnliches von ihm schon aus früherer Zeit in Erinnerung. Als Spötter könnte man sagen: Solange die CDU in Nordrhein-Westfalen kaum eine Chance hatte, die Regierung zu übernehmen, konnte er solche Vorschläge ohne Risiko machen - und wenn die Politik wirklich aus den öffentlich-rechtlichen Medien verschwinden müsste, hätte dies dort ohnedies nur die SPD getroffen - getreu (auf der Ebene der Kinder-statt-Inder-Parole) dem Motto: Lieber gar kein Funk als Rot-Funk. Aber im Ernst: Die Zukunft des öffentlich-rechtlichen Rundfunks und Fernsehens kann dauerhaft nur in der Entkopplung vom quotenschuftenden Kommerzbetrieb liegen (und eben in der öffentlich-rechtlich finanzierten Orientierung am Gemeinwohlauftrag) - und in der Entkopplung von der Politik und ihren Interventionen in Personalpolitik und (damit) Programm.

Schauen wir also gelegentlich nach, was Jürgen Rüttgers so macht - an Entwicklungen und an Sprüngen. Vielleicht wird er nun freier und souveräner, nachdem Laurenz Meyer, sein Dioskure an Ort und Stelle, den Transfer nach Berlin in der Tasche hat.

P.S.:
Diese Serie wird bei Gelegenheit fortgesetzt. Vielleicht schon bald, vielleicht bald über Reinhard Klimmt, Bundesverkehrsminister.