Aber ist dies das eigentliche Thema?

Da gilt es, zum ersten, jenen Unterschied zu markieren zu der Situation im Golfkrieg, in der die Deutschen sich aus aller Politik heraushielten, und stattdessen sich mit dem Scheckbuch frei zeichneten - und verächtlich machten; und überdies mehr bezahlen mussten, als wenn sie sich politisch engagiert hätten. Aber gut, damals war die Zeit noch nicht so weit, drinnen wie draußen...

Da gilt es, zum zweiten, vielleicht gar nicht so dringend vor der Selbstüberschätzung zu warnen. Die Antwort auf einen amerikanischen Unilateralismus, wo es ihn gibt, könnte jedenfalls nicht die unilaterale Aktion einzelner europäischer Regierungen und Staaten sein. Die Reise Schröders kann nur einen Sinn haben, wenn sie der europäischen Initiative dient.

Und damit sind wir, drittens, beim eigentlichen Thema: Ein deutscher Beitrag zu einer europäischen Nahost-Politik kann zunächst nur in der Ausbalancierung der pro-arabischen Einseitigkeit der französischen Diplomatie liegen. Dazu aber muss die deutsche Diplomatie (und der Bundeskanzler) an Ort und Stelle Präsenz und Interesse zeigen.

So gesehen, ist der Bundeskanzler zwar in den Nahen Osten und dort in viele Hauptstädte gereist. Aber dieser Besuch galt eigentlich: Paris. Um Bismarcks Dictum über die Afrika-Politik zu variieren, der einmal mit dem Zeigefinger über die Karte Europas fuhr und sagte, sein "Afrika" liege auf dem europäischen Festland: Unser naher Osten liegt erst einmal jenseits des Rheins.