Als mir John Shaft zum ersten Mal auf der Leinwand begegnete", erinnert sich der Schriftsteller Mike Phillips, "kam mir alles an seiner Erscheinung bekannt vor: Haarschnitt, Lederjacke, Schnauzer und das alles. Der Witz war, dass ich Dutzende kannte, die aussahen und sprachen wie er. Im Kino aber hatte ich nie zuvor einen schwarzen Mann gesehen, der dem auch nur entfernt geähnelt hätte."

Ein Einzelgänger, ein einzigartiger Superheld und gleichzeitig einer von vielen. Aus diesem besonderen Verhältnis von Regel und Ausnahme erwuchs die immense Bedeutung von Gordon Parks' Shaft (1971) in den USA der frühen Siebziger. Zusammen mit Sweetback aus Sweet Sweetback's Baadassss Song (1971) und Youngblood Priest aus Superfly (1972) feuerte John Shaft (Richard Roundtree) den unüberhörbaren Startschuss für jenes Blaxploitation-Kino ab, durch das sich der aufkommende "Black Pride" im populären Kino etablierte. Shaft war ein schwarzer Action-Held der New Yorker Straßen, der selbstbewusst "in weiße Ärsche" trat.

Natürlich musste Shaft in Gestalt eines Blockbusters zurückkehren; fast dreißig Jahre und etliche Filme später, in denen das Blaxploitation-Kino fortgeführt, ausgeschlachtet, zitiert oder - wie zuletzt in Jackie Brown - liebevoll umarmt worden war. Politische Brisanz und subversive Kraft sind da kaum noch zu erwarten. Was bleibt? Durchdesignter Siebziger-Retro-Style und trockene Shaft-Action zu Isaac Hayes' großartigem Titelsong-Klassiker?

Die größte Überraschung in John Singletons (Boyz N the Hood) Remake beschreibt zugleich seinen größten Verlust: John Shaft, gespielt von Samuel L. Jackson, hat seine Unabhängigkeit eingebüßt. Aus dem Privatdetektiv, dem nur sich selbst verpflichteten "private dick", wie es bezeichnend im Hayes-Song heißt, ist ein Polizist unserer Tage geworden, mit einem Ledermantel von Armani. Shaft verfügt zwar gottlob über Samuel L. Jacksons Coolness, ist aber nicht mehr Gegenstück, sondern Teil des Staatsapparats. Und da man diesen dramaturgischen Quantensprung wirklich kaum glauben kann, murmeln ständig irgendwelche Kollegen: "Dachte, du hast den Dienst quittiert."

Hat er nicht, und so ist es an ihm, den kaltherzigen Mörder Wade (Christian Bale) der gerechten (!) Strafe zuzuführen. Weil ihm dabei die bekannten juristischen Steine in den Weg gelegt werden, gibt er zwar zwischenzeitlich doch seine Marke ab. Aber keine Angst, am Ende sitzt er wieder in seinem Großraumbüro.

Das gesellschaftliche Problem der Siebziger, der Rassismus, ist nun zur individuellen Perversion geworden. Der weiße Yuppie Wade hat nämlich einen nicht minder propper wirkenden Afroamerikaner erschlagen, der ansonsten, mit seinen weißen Freunden, ein Beweis war für die Allgegenwart des friedlichen Miteinander. Dafür muss der eitle Durchdreher Wade hinter Gitter, wofür die Polizei zu sorgen hat, zu der inzwischen ja auch coole Vögel wie Shaft gehören. Mühsam kommt ein Kleinkrieg zwischen dem Cop und dem freigesetzten Kriminellen ins Rollen - mühsam auch deshalb, weil er im Grunde versöhnlich gemeint ist: dem weißen Publikum gegenüber, das in Shafts Gegnern nicht mehr sich selbst, sondern ein exzentrisches Individuum erkennen soll. Shaft ist jetzt eine mediokre, ziemlich langatmige Version von Dirty Harry. Nur die Musik und der Gastauftritt von Richard Roundtree erinnern daran, was hier gerade eingestampft wird.

Der Rassismus kommt dann aber doch noch ins Spiel. Und zwar auf eine sehr dumme Weise. Neben Wade wird quasi als Unterbösewicht der gernegroße Drogenhändler Hernandez (Jeffrey Wright) installiert. Der Einwanderer lateinamerikanischer Herkunft will den Makel seiner Herkunft tilgen. "Ich würde töten, um wie du zu sein", gesteht er Wade und verkörpert mit seinen Getreuen überhaupt just jene Sorte Lügen, die ansonsten den "Negern" angehängt worden war. Abschied von gestern: Der neue, arrivierte Shaft reicht den Staffelstab der Diskriminierung an die "Chicanos" weiter.