Wenn Frauen erfahren, dass sie an Brustkrebs erkrankt sind, ist dies sicherlich einer der schlimmsten Momente in ihrem Leben. Von einer Stunde auf die andere werden sie in einen Strudel von Entscheidungen gezwungen: Wie soll operiert werden - brusterhaltend? Oder muss die ganze Brust abgenommen werden? Wer beherrscht diesen Eingriff am besten? Sind Bestrahlungen nötig, Hormonblocker, Chemotherapie? Welche biologischen Verfahren sind zusätzlich ratsam? Fragen, auf die nur wenige Frauen eine Antwort wissen. Die meisten fühlen sich hilflos der Medizinmaschinerie des Krankenhauses und Ärztinnen und Ärzten ausgeliefert.

Jede neunte bis zehnte Frau in Deutschland erkrankt an Brustkrebs, seit einigen Jahren immer häufiger auch jüngere Frauen unter 50 Jahren. In jedem Jahr sterben 19 000 Frauen an dieser Krankheit, das sind 52 Frauen täglich, ein ganzer Reisebus voll. Brustkrebs führt damit in der Altersgruppe unter 55 Jahren die Todesstatistik an - weit vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Viele Frauen, die an Brustkrebs erkranken, haben das Bedürfnis, sich über ihre Krankheit zu informieren, und nicht wenige führt dieser Wunsch in eine Buchhandlung, wo es tatsächlich zurzeit eine ganze Reihe neuer Bücher zum Thema Brustkrebs gibt. Aber nur wenige sind tatsächlich eine Hilfe auf der Suche nach einem Weg durch das Dickicht der Therapiemöglichkeiten.

Zum Beispiel das engagierte "persönliche Sachbuch" von Ursula Goldmann-Posch: Der Knoten über meinem Herzen. Sie beschreibt darin zum einen ihre persönliche Geschichte im Kampf gegen den Brustkrebs, ihre Wut und Verzweiflung, aber auch ihr Engagement auf der Suche nach der für sie passenden Therapie, ihre Erfahrungen mit Ärztinnen und Ärzten, ihre Erfolge in der Auseinandersetzung mit der Krankheit. Zum ande- ren vermischt sie diese individuelle Geschichte raffiniert mit allgemeinen, sachlichen Informationen, die jede betroffene Frau wissen muss. Gerade diese Mischung aus Subjektivität und Objekti- vität macht dieses Buch ungemein hilfreich und ermutigend.

Das Buch klärt auf, ohne besserwisserisch zu sein. Es macht Mut, ohne Zweckoptimismus zu verströmen. Es liest sich spannend wie ein Krimi und ist doch ein hoch informatives Sachbuch, gespickt mit Adressen, Hinweisen und Namen. Ursula Goldmann-Posch nennt Ross und Reiter - im Positiven wie im Negativen. Sie legt den Finger auf die gern kaschierten Wunden der heutigen Brustkrebsforschung und -therapie. Aber sie bringt auch positive Beispiele, die Problemlösungen aufzeigen.

Frauen, die dieses Buch gelesen haben, werden sich nicht mehr hilflos oder allein gelassen füh- len. Sie gewinnen an Kompetenz, sich mit ihrem Brustkrebs auseinander zu setzen und dabei ihren eigenen Weg zu finden. Ursula Goldmann-Poschs Fazit: "Seit drei Jahren kämpfe ich gegen meinen Krebs und kann doch mit ihm leben. Manchmal mit Angst, immer häufiger ohne. Zur Zeit gibt es eine Art Stillhalteabkommen zwischen uns: Ich habe nicht mit Krebs gerechnet, der Krebs hat nicht mit mir gerechnet. Nicht mit meiner Phantasie, meiner Lernfähigkeit, meinem Überlebenswillen. Seit drei Jahren lebe ich mit meinem Krebs, auch wenn ich an ihm sterben könnte. Ich weiß nicht, ob ich geheilt bin, aber: Ich bin von vielem geheilt." Einen besseren Wegweiser durch den Dschungel der Meinungen und Therapiemöglichkeiten bei Brustkrebs gibt es auf dem deutschsprachigen Buchmarkt zurzeit nicht.

Ähnlich informativ, aber ganz anders geht Lilo Berg in ihrem bereits vor fünf Jahren erstmals erschienenen und nun in einer Neuauflage komplett überarbeiteten Buch das Thema Brustkrebs an. Auf knapp 450 Seiten stillt sie das drängende Wissensbedürfnis mit einer Fülle von Informationen zu allen Fragen nach Ursachen, Früherkennung, Diagnose, Prognose, Behandlung und Nachsorge von Brustkrebs. Es gibt kein vergleichbares Werk, das so viele Details auf gedrängtem Raum kenntnisreich versammelt.

Wenn Frauen sich Informationen herauspicken wollen wie aus einem Lexikon, wenn sie sich stichwortartig Wissen aneignen wollen, dann sind sie mit diesem Buch gut bedient. Es erspart ihnen eine mühsame Reise durch die zahllosen Internet-Seiten, die es zur Brustkrebsforschung heute gibt. Es benennt die neuesten Studienergebnisse und zitiert Meinungen von Fachleuten. Frauen werden damit in die Lage versetzt, Ärztin oder Arzt eine kompetente Gesprächspartnerin zu sein.