Ich hatte ihn zum ersten Mal mitgenommen, als ich in die Südsee fuhr, ins Paradies, nach Tonga. Dort hatten selbst alte Mütterchen von ihm gehört, von diesem weißen Amerikaner, der schlecht über ihr Land geschrieben hatte: "Bollterou". Sie spuckten seinen Namen aus, weil er geschrieben hatte, dass sie unfreundlich waren und gern Katzen aßen (außer in der Hauptstadt Nuku'alofa). Er hatte sich über ihren Akzent lustig gemacht und den Gegensatz zwischen den dicken Menschen und den fragilen Häusern bemerkt.

Die Happy Isles of Oceania (Die glücklichen Inseln Ozeaniens) waren mein Lieblingsbuch, vielleicht weil die Ausgangssituation so herzzerreißend ist. Er verlässt London und weiß, dass er nicht mehr dorthin zurückkehren wird, weil seine 20-jährige Ehe gescheitert ist. "There was no good word for this hopeless farewell", lautet der erste Satz, und er setzt den Ton. Theroux hat ein Melanom auf seinem Arm, von dem er nicht weiß, ob es bösartig ist, und im Lauf seiner einsamen Reise hat man das Gefühl, dass er die dunkle Insel auf seiner Haut mit den Inselns des Pazifiks verwechselt.

Bei meiner Einreise nach Tonga zog ein Zöllner dieses Buch aus der Tasche und fing an, mit seinen Kollegen zu flüstern. Überempfindliche Analphabeten, dachte ich. Verstehen sie nicht, dass Theroux in Wirklichkeit nicht über die Außenwelt, sondern über seinen eigenen Seelenzustand schreibt?

Ein paar Jahre später las ich sein Buch Mein anderes Leben, das gerade erschienen ist. Es ist eine Art fiktiver Autobiografie, das heißt, das Leben des Erzählers hat erkennbar mit dem von Bollterou zu tun (Lehrtätigkeit in Afrika und Singapur, Ehe in London, Reisen, Erfolg als Schriftsteller, Scheidung, zweites Leben in seiner Heimat in Massachusetts). Aber irgendwie dann auch wieder doch nicht. "Dies ist die Geschichte eines Lebens, das ich gelebt haben könnte, wenn einiges anders gewesen wäre ...", schreibt er im Vorwort. Das ist wahrscheinlich schick und postmodern.

Einige amüsante Geschichten finden sich darin, aber, wie die New York Times schrieb: Sie enthüllen nichts, sie verbergen mehr. Oder, nur so eine Vermutung, vielleicht stimmen die Geschichten einfach, und er wollte es (Sexszenen, Affären) nicht zugeben. Oder sein Rechtsanwalt hat ihm dazu geraten. In einer Geschichte erzählt er von einer Party in London, auf der auch die Queen und Prinz Philip eingeladen sind, und beschreibt, wie Philip vergisst, dass er Präsident des World Wildlife Fund ist. "Durch den WWF lernen Sie sicher die schönsten Orte der Erde kennen." - "Noch nie davon gehört." - "Sie sind der Präsident des WWF, Sir." - "Was sagen Sie da?"

Wegen solcher Dialoge mag ich P. T., und deshalb freute ich mich zunächst, als ich die Einladung bekam, ihn zu interviewen, diesen Autor, der auf manchen meiner Reisen so präsent war, dass ich danach nicht sagen konnte, ob sich eine bestimmte Sache tatsächlich ereignet hatte oder ob ich bei ihm davon gelesen hatte ...

Bis ich (nichts ahnend, auf einem Sofa liegend) in das Kapitel stolperte, in dem mein eigener Stamm beschrieben wurde, das Volk der Journalisten. Es war eine treffende Beschreibung: "'Bestimmt hat man Ihnen diese Fragen schon oft gestellt', sagen die Interviewer irgendwann, und ich widerspreche ihnen immer: Nein, nein, Ihre Fragen sind sehr interessant! (...) und ich beantworte die Fragen, die man mir seit zwanzig Jahren immer wieder stellt: Warum bin ich nach Afrika gegangen? Was ist an Zügen so besonders? (...) Immer gibt es einen Kassettenrekorder, der nicht funktioniert, und immer heißt es dann: 'Ich wußte, dass das irgendwann mal passieren würde.'"