So opfert Arafat die Jugend Palästinas

DIE ZEIT sprach mit den Hintermännern der Intifada

Ramallah Eine Villa in Ramallah, der heimlichen Hauptstadt Palästinas. Die Gardinen sind vorgezogen, die Fensterläden verschlossen. Über der Tür zum Gang hängt eine naiv gemalte, ländliche Szene, auf der ein neben seiner Geliebten sitzendes Bäuerlein die Schalmei bläst. Draußen, ganz nahe jetzt, tackern Maschinengewehre.

Ziad Abu Ein, Vorsitzender des Veteranenbundes der Fatah, würzt seine Ausführungen mit einem Kichern, das wie zwei, drei Salven klingt. Wegen eines Bombenanschlags im israelischen Tiberias, bei dem zwei Mädchen umkamen und 36 Menschen verletzt wurden, saß er in den achtziger Jahren lange im Gefängnis.

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Die Tat bestreitet er bis heute. Inzwischen leitet Abu Ein als erfolgreicher Geschäftsmann die väterliche Haushaltswarenfabrik samt drei Läden. Er sei allerdings schon seit drei Wochen nicht mehr in der Firma gewesen: Abu Ein hilft in der Führung der Tansim aus, des paramilitärischen Flügels der Fatah.

Arafat habe ihn gebeten, bei der Organisation der Intifada zu helfen.

Das System Arafat ist unablässig in Bewegung. Der Palästinenserführer steht an der Spitze eines quasifeudalen Regimes. Wer gestern als unloyal galt, kann heute schon wieder Gunst erfahren. Vor drei Jahren bootete Arafat Abu Ein aus, weil er einen zu kritischen Bericht über Korruption in der Autonomiebehörde verfasst hatte. Jetzt wird er wieder gebraucht. Doch die Unruhen stellen das System Arafat auf eine Zerreißprobe, denn jeder nutzt die Intifada, um die eigene Macht zu untermauern. Auch Missmut macht sich breit.

Der Aufstand in Ramallah trägt fast rituellen Charakter. Freitags nach Ende des Gebetes, an anderen Tagen nach dem Begräbnis der Toten vom Vortag strömt die Stadtjugend aus dem Zentrum an die Front. Im Gefolge die ältere Generation, das Publikum, Männer mit Kindern auf den Schultern, andere mit den Söhnen an der Hand, als ginge es zum Jahrmarkt oder zum Fußballspiel. Die Front liegt in einem Neubauviertel. Es besteht aus Ministerien der Autonomiebehörde, halb fertigen Wohnblocks und einem brandneuen Hotel. In den Rohbauten haben sich die Tansim festgesetzt. Israelische Scharfschützen requirierten das gegenüberliegende Hotel.

Am frühen Nachmittag beginnt der Angriff auf die grünen Jeeps der Besatzer.

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