Zehn Jahre Aufschwung in der Automobilindustrie könnten zu Ende sein - zumindest im Inland geht das Geschäft von Autoherstellern wie Audi zurück. Um so wichtiger wird es für die Konzerne, ausländische Märkte zu erschließen. So streiten derzeit zum Beispiel Daimler Chrysler und Volkswagen um den LKW-Markt in China.

Nichtsdestotrotz ist reichlich Arbeit in der Automobilbranche zu bekommen. Sehr gute Einstiegschancen bieten die Bereiche Vertrieb und Reparatur. Immerhin gibt es in Deutschland - noch - etwa 23.000 Händler und ebenso viele Werkstätten. Wer praktische Verkaufserfahrung mitbringt und "kundenorientiert" denkt, hat beste Möglichkeiten, es in der Branche zu etwas zu bringen. Da kommt es auch nicht darauf an, ob oder was er studiert hat. Die meisten Quereinsteiger kommen aus Hotels und Reisebüros, weiß Ingo Meyer, Geschäftsführer des Zentralverbandes des Deutschen Kraftfahrzeuggewerbes (ZDK) in Bonn. "Da lernt man, um sechs Uhr abends noch freundlich zu sein". Aber auch Umsteiger, die "das Falsche studiert haben", werden gerne genommen. Die meisten mittelständischen Betriebe in Vertrieb und Reparatur bieten Hochschulabsolventen jedoch nur "begrenzte" Perspektiven. Am ehesten werden noch Wirtschaftsingenieure für die Betriebsführung gesucht. Schonzeiten, wie für die Trainees in der Autoindustrie, gäbe es allerdings nicht. Hochschulabgänger, die während ihres Studiums keine Praktika absolviert haben, stünden denn auch schnell unter einem "Praxis-Schock", denn es gelte: "Bewährung von der ersten Woche an".

Den Mangel an praktischer Erfahrung verzeiht die Industrie den Hochschulabsolventen schon eher. Autohersteller von Audi bis Volkswagen suchen vor allem Ingenieure. Und die sind bekanntermaßen Mangelware. Trotzdem bieten immer mehr Hochschulen auch auf die Automobilwirtschaft spezialisierte Studiengänge an. Die Fachhochschule Braunschweig/Wolfenbüttel beispielsweise hat das Fach "Betriebswirtschaft (Automobilwirtschaft)" im Angebot; an der FH Zwickau kann Kraftfahrzeugtechnik sowie Kraftfahrzeugelektronik studiert werden. Ingo Meyer (ZDK) hält es nicht für sinnvoll, sich zu früh zu spezialisieren. "Die Spezialstudiengänge verschaffen einen Vorteil von einem halben Jahr und stören dann das ganze Leben, weil Grundlagen fehlen", weiß er. Vielmehr seien in der Automobilbranche neben Ingenieuren mit wirtschaftswissenschaftlichen Zusatzqualifikationen vor allem Betriebswirte mit Kenntnissen in Wirtschaftsrecht und EDV sowie des Internet gefragt. Sprachkenntnisse seien in jedem Fall vonnöten, insbesondere gute Englischkenntnisse. Wer bei den Zulieferern der Automobilbranche einsteigen will, muss sein Studium erst recht allgemein halten, denn schließlich beliefern viele Zulieferer nicht nur Autohersteller.

Das Internet führt nach Einschätzung Meyers weder zu mehr Arbeitsplätzen noch zu neuen Berufsbildern. Vielmehr werden derzeit die alten Berufsbilder auf den neuen Stand gebracht. "Kfz-Mechaniker ist heute ein IT-Beruf", weiß Meyer. "Und gerade haben wir den Kfz-Meister für das Internetzeitalter geschaffen", fügt er hinzu. Der kennt sich im globalen Dorf genauso aus wie in Betriebsorganisation und Auftragsabwicklung. Und natürlich spricht er Fremdsprachen. Informationen zu den Ausbildungen und Berufschancen in der Autobranche gibt es auf der Homepage des Zentralverbandes des Deutschen Kraftfahrzeuggewerbes. Auf der Website des Verbandes der Deutschen Automobilindustrie (VDA) werden Weiterbildungen des VDA und anderer Veranstalter beispielsweise zur Logistik sowie einschlägige Konferenzen aufgelistet. Hier können an der Theorie Interessierte auch Bücher, Broschüren und Schriften des VDA bestellen.

Die größten Auswirkungen auf die Branche hat das derzeitige "Händlersterben". "Wofür die Landwirtschaft 30 Jahre Zeit hatte, macht die Automobilbranche in drei Jahren durch", erläutert Meyer die Lage. Die Konkurrenz unter den Händlern derselben Automarken ist sehr groß. Zudem zwingen die Hersteller ihre Händler zu Fusionen in der Hoffnung, auf diese Weise die Betriebskosten zu senken. So werden immer häufiger mittelständische Betriebe zu Großunternehmen mit mehreren hundert Beschäftigten zusammengelegt. Und für die fehlt es an qualifizierten Führungskräften. Zehnmonatige Crash-Kurse für die künftigen Geschäftsführer solcher Großbetriebe bieten beispielsweise die Bundesfachschulen für Betriebswirtschaft in Calw im Schwarzwald sowie in Northeim an.

Auch an Trainern sieht Meyer künftig Bedarf in der Automobilbranche. Der Vertrieb sei eine Art "Franchise-System", die Hersteller seien somit für das Training der Mitarbeiter verantwortlich. Bei den Zulieferern sieht Meyer ebenfalls einen steigenden Bedarf an Trainern, zumal der Zuwachs bei diesen Unternehmen höher eingeschätzt wird als bei den Autoherstellern. "50 bis 60 Prozent aller Innovationen schaffen die Zulieferer", weiß Meyer. Entsprechend viele Mitarbeiter werden in Forschung und Entwicklung gebraucht. Die Tüftler unter den Autoliebhabern sind also bei den Zulieferern eher noch als bei den Herstellern an der richtigen Adresse.

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