"Ihr habt den kältesten Tag des Jahres erwischt", stöhnt unser Guide Peter Günther. Seit zwei Jahren führt der eingebürgerte Deutsche mit seinem Unternehmen Cracker Jack Touristen in die Natur und Tierwelt von Hluhluwe, des ältesten Nationalparks Südafrikas. 1894 gegründet, umfasst er ein Areal von 1360 Quadratkilometern. "Viele Besucher finden Hluhluwe interessanter als den berühmten Krüger Nationalpark", sagt Peter. Der Traum jedes Safari-Touristen vom Erspähen der Big Five, von Nashorn, Büffel, Elefant, Leopard und Löwe, gelingt zwar nur selten. Dafür beherbergt der Park den weltgrößten Bestand von weißen und schwarzen Nashörnern.

Kaum die Pforte zum Reservat passiert, haben wir schon die ersten Exemplare vor der Linse. Als wären Touristenbusse das Normalste auf der Welt, kauen sie nur 20 Meter neben der Straße genüsslich das frische Gras. Der Grund ist schnell erklärt: "Im Gegensatz zu den meisten anderen Reservaten hat es hier noch nie Jagdtourismus gegeben", sagt Peter. Mit seinem abgewetzten Lederhut sieht er aus wie ein südafrikanischer Krokodile Dundee.

Mit Löwe und Leopard sollte es heute allerdings nichts werden. Dafür werden die ZEIT-Reisenden reichlich entschädigt mit ganzen Herden von Impalas, riesigen Wasserböcken, mächtigen Nialas und einer Menge schillernd bunter Vögel. Während einer Bootsfahrt auf dem Hluhluwe River sehen sie stolze Seeschreiadler, elegante Schlangenhalsvögel, weiße Kuhreiher und viele verschiedene Eisvögel in bizarrstem Gefieder. Und dann war da noch die unheimliche Begegnung mit dem Elefanten (siehe: Die tägliche Momentaufnahme).

Für die Einheimischen ist der Park auch ein Sozialprojekt: "Die in der Umgebung lebenden Zulu-Stämme werden eingebunden", sagt Peter. Die Schwarzen werden zu Wildhütern ausgebildet, halten den Park in Ordnung, spüren als Parkranger Wilderern nach. Andere arbeiten in Lodges und Restaurants oder verkaufen ihr Kunsthandwerk. Über 600 Dauerarbeitsplätze wurden so geschaffen. Zudem werden zehn Prozent der Einnahmen aus den Eintrittsgeldern zum Bau von Schulen und anderen Infrastrukturmaßahmen verwendet.

Nach einer Stunde Fahrt auf dem Fluss, dort wo die Flusspferde die kamerabewaffneten Touristen mit ihren Tauch-Eskapaden unterhalten, kleben auf dem Berghang kleine Zuludörfer in der üppig grünen Vegetation. Keine Straße führt zu den strohgedeckten Rundhütten aus Lehm, in denen das Leben noch jahrhundertealten Gesetzen folgt. Der Amakosi, der Dorfhäuptling, ist abseits aller politischen Machtwechsel unumstrittene Autorität. Er bestimmt, wer wo seine Hütte bauen darf, schlichtet Ehestreitigkeiten und fungiert als Richter.

Weiter als auf die Zoomstärke ihrer Teleobjektive gelangen Touristen hier nicht heran. Wenn sie sich von der Zulu-Kultur ein Bild machen wollen, können sie ein Ticket für Duma Zulu buchen. In einer einstündigen Führung durch das bis ins Detail rekonstruierte Dorf erfahren sie von einem Sacoma, einem traditionellen Heiler, wie die Naturmedizin funktioniert. Sie lernen etwas über die fachgerechte Konstruktion der Rundhütten aus Schilf und Sisaltauen, die selbst den Bauunternehmer unter den ZEIT-Reisenden zur Demut vor afrikanischer Baukunst verleitet. Umso genussvoller zieht er dann an der Marihuana-Wasserpfeife aus Büffelhorn, die ihm ein alter Zulu zum Probieren reicht. Marihuana, das auf den Hügeln rund um Hluhluwe prächtig gedeiht, ist hier neben dem selbstgebrauten leichten Hirsebier seit Urzeiten ein bewährtes Genussmittel. Nur in Verbindung mit Mengen von Industriebier und Schnaps wird das berauschende Kraut für immer mehr junge Leute in den Städten zu einer wachsenden Gefahr.

Zulumädchen und -jünglinge führen den Besuchern zum Abschluss die alten Tänze vor, mit denen sich die Zulus schon zu Zeiten ihres Volkshelden Shaka Zula auf ihre Kriegszüge vorbereiteten. Der berühmte König brachte einst den englischen Kolonialisten mit einer weit gerühmten Schlachtordnung eine vernichtende Niederlage bei.