Wenn da nicht die ausufernde Kriminalität wäre, die die Stadt immer wieder in Verruf bringt. Zeitungsberichte über den Mord an einem deutschen Touristen an der Beach Front passen überhaupt nicht ins Konzept. Auch nicht die Enthüllungen über die Verstrickungen der Polizei in Car-jackings, bewaffnete Autodiebstähle, oder der Hinweis deutscher Reiseleiter, sich in der Innestadt möglichst nicht von der Gruppe zu entfernen.

Die schwarzen Südafrikaner sind die Minderheit in der 800.000-Einwohner-Stadt. Nach den Weißen und einer halben Million Südafrikanern indischer Abstammung. Deren Vorfahren wurden im vergangenen Jahrhundert von den Engländern aus Indien angeheuert für die Schufterei auf den Zuckerrohrplantagen, zu der die stolzen Zulus nicht zu bewegen waren. Ein schmächtiger Rechtsanwalt namens Gandhi sollte Anfang des Jahrhunderts für die Rechte seiner Landsleute kämpfen. 20 Jahre übte er in Südafrika die Grundlagen für seinen Freiheitskampf. Heute beherrschen Gandhis Enkel den Handel der Stadt, betreiben Hotels und Industrieunternehmen, leben als Hindhus oder Moslems streng nach ihrem Glauben. Friedlich miteinander, ohne Zusammenstöße wie im Ursprungsland jenseits des Ozeans.

"Nur Hochzeiten zwischen den unterschiedlichen Religionen sind auch hier unmöglich", sagt der Priester des Hindutempels in der Innenstadt. Gerade hat er den neuen weißen Porsche eines reichen Händlers geweiht, den ein Tempeldiener mit Blumen, gelber und roter Farbe für die Zeremonie geschmückt hat.

Gleich daneben tanzen vier in Saris gehüllte Mädchen hochkonzentriet zum Trommelschlag ihrer Lehrerin die komplizierten Schrittfolgen des klassischen südindischen Tempeltanzes Bharata Nathyam. Zehn Jahre dauert die Ausbildung bis zur Perfektion. Nur wer am Ende jeden Jahres die Jahresprüfung besteht, darf weiter studieren. Sehr zur Freude eines stolzen Vaters, der jede Bewegung seiner Zwillunge verfolgt. "Der Tanz ist eine gute Schule für Körper und Geist", sagt er. "Außerdem sind die Mädchen dadurch von der Straße weg."

An diesem Nachmittag bräuchte der besorgte Vater ohnehin nicht um seine Töchter fürchten. Die Straßen Durbans sind leer gefegt. Schon morgens hatten sich in den Supermärkten lange Schlangen gebildet, mit Einkaufskörben bis zum Rand gefüllt, Bierkästen und Six Packs, kiloweise Steaks, Schweinenacken und Würstchen. Heute Abend läuft der Curry-Cup, das größte Sportereignis des Jahres: Die Natal Sharks wollen im Heimspiel die begehrteste Rugby-Trophäe gegen die Western Province nach Durban holen. Anlass für unzählige Braais, ausgelassen Parties in der ganzen Stadt zu feiern.

Grillen und Bier trinken, eine Freizeitbeschäftigung, die alle Klassen und Hautfarben vereint. Es gibt keinen besseren Anlass für eine kräftige Zecherei als ein Rugby im Fernsehen: Der traditionelle Nationalsport der Buren begeistert inzwischen alle Bevölkerungsgruppen, seit das Nationalteam der Springbocks beim ersten WM-Auftritt nach Ende der Apartheid gleich auf Anhieb den Titel ans Kap holte.

Doch der Traum der Sharks und ihrer Fans ging diesmal nicht in Erfüllung. Das bärenstarke Team vom Western Cape entführte den Siegerpokal nach Kapstadt, dem nächsten Ziel unserer Reise.